Milena Marković und Mirjana Wittmann gewinnen Poesiepreis

Im Rahmen des Lyriktreffens Münster wurde am Sonntag, 5. Juli der Preis für Internationale Poesie an die serbische Dichterin Milena Marković sowie an das Übersetzerpaar Mirjana und ihren Ehemann Klaus Wittmann verliehen.

Münster – Marković erhielt den Preis im Erbdrostenhof von Bürgermeisterin Maria Winkel für ihren siebten und in deutscher Übersetzung zweiten Gedichtband „Kinder“, der sich laut Jury durch „ein besonderes, formal wie inhaltlich kraftvolles Kompositionsprinzip auszeichnet“. Das Langgedicht kann in der Tradition von Dantes „Göttlicher Komödie“ oder Alexander Puschkins „Eugen Onegin“ auch als Roman in Versen gelesen werden. Die Übersetzerin Mirjana Wittmann nahm die Auszeichnung auch für ihren Ehemann Klaus (1937-2023) entgegen, dem der Preis posthum zuerkannt wurde.

Die Autorin und Übersetzerin Esther Kinsky verglich ihr Leseerlebnis in der Laudatio mit dem Film „Everything Everywhere All at Once“ (2022) von Daniel Kwan und Daniel Scheinert. Sie zog einen Vergleich zwischen Filmtitel und Gedicht: „Gleich auf den ersten Seiten ist man überall, zeitlich und räumlich: in der Stadt und im Dorf, in der Kindheit der Autorin und der Jugend der Tante und in der Gegenwart. Man ist mit Aufsässigkeit und Verletzlichkeit konfrontiert, mit der Liebe und mit dem Tod. Ein Strom der sich verzweigt, eine Welt, die sich aufbaut, umordnet, verschiebt. Schieflagen und Schwindelgefühle sind beabsichtigt.“

Der Preis würdigt Dichtung und Übersetzung gleichwertig – die Preissumme von 15.500 Euro geht zu gleichen Teilen an Marković und Wittmann. Die Stadt Münster vergibt den Poesiepreis alle zwei Jahre für einen international rezipierten Gedichtband und dessen eigenständige Übersetzung. Unter den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern finden sich bedeutende lyrische und übersetzende Stimmen von internationalem Rang, wie etwa Inger Christensen, Peter Urban und Nobelpreisträger Jon Fosse. Zuletzt wurden 2024 die US-amerikanische Dichterin Diane Seuss und ihr deutscher Übersetzer Franz Hofner aufgezeichnet.

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