Krefeld – Insgesamt gibt es 50 Veranstaltungen mit Lesungen, Gesprächen, Spaziergängen und Ausstellungsbesuchen. Dr. Thomas Hoeps und Marlene Jäger vom Niederrheinischen Literaturhaus der Stadt Krefeld sowie Simon Hoffmann und Kristine Günther von der Mediothek Krefeld haben eine abwechslungsreiche Mischung aus bekannten und jungen Autoren für das hiesige Programm ausgewählt. Die Lesungen in Krefeld beginnen jeweils donnerstags um 19.30 Uhr. Der Vorverkauf für alle Veranstaltungen hat begonnen.
Ich-Erzählerin und Körperwahn
Zum Auftakt am Donnerstag, 9. Juli, kommt die Autorin Verena Keßler mit ihrem Buch „Gym“ in die Mediothek am Theaterplatz. Der Roman erzählt aus der Perspektive einer namenlosen Ich-Erzählerin von Körperwahn, extremem Ehrgeiz und ungesundem Konkurrenzdenken. Nach dem Verlust ihres Jobs in einer Agentur bewirbt sich die Protagonistin als Servicekraft im Fitnesstempel „Mega Gym“. Obwohl sie völlig untrainiert ist, erschleicht sie sich den Job mit einer Lüge: Sie behauptet, ihr Bauch sei die Folge einer Schwangerschaft. Schnell durchschaut sie die Dynamiken und Stereotypen des Studios. Angestachelt durch die Profi-Bodybuilderin Vick entwickelt sie eine Obsession für das harte Training. Ihr Körper wird zum Lebensmittelpunkt. Verena Keßler, geboren 1988 in Hamburg, lebt in Leipzig, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studierte. Ihr Debütroman „Die Gespenster von Demmin“ wurde für zahlreiche Preise nominiert. Für ihr anschließend erschienenes Buch „Eva“, erhielt sie den Literaturpreis „Der zweite Roman“.
„Zähe Hunde“ ist der Debütroman des niederländischen Schriftstellers und Filmemachers Falun Ellie Koos, Jahrgang 1992. Das Buch erschien im Frühjahr 2026 auf Deutsch – übersetzt von Andrea Kluitmann – und gilt als eine der aufregendsten Entdeckungen der neueren niederländischen Literatur. Im Original war das Werk unter anderem für die Shortlist des Libris-Literaturpreises nominiert. Die Geschichte dreht sich um die Geschwister Ada und Broos, die eine extrem unkonventionelle und gnadenlose Kindheit erleben. Falun Ellie Koos stellt das Buch am Donnerstag, 16. Juli, im Pausenhof-Atelier an der Marktstraße 161 vor.
„Die Enthusiasten“ von Markus Orths erschien im Frühjahr 2026. Sein Roman kann als Liebeserklärung an das Lesen, das Schreiben und die menschliche Kreativität verstanden werden. Im Mittelpunkt stehen ein besessener Laurence-Sterne-Fan auf der abenteuerlichen Jagd nach dem angeblichen zehnten Band von Tristram Shandy, eine Teilchenforscherin, die abgeschirmt von kilometerdicken Felswänden versucht, Dunkle-Materie-Teilchen zu erlauschen, ein Kino-Enthusiast, der abgefahrene Experimentalfilme ausheckt, eine nordenglische Kleinstadt und ein Mann, der ausschließlich auf nie dagewesene Fragen antwortet. Markus Orths, Jahrgang 1969, studierte Philosophie, Romanistik und Anglistik und lebt in Karlsruhe. Der Niederrheinische Literaturpreisträger (2015) kommt am Donnerstag, 23. Juli, in die Fabrik Heeder an der Virchowstraße.
Auf Irrfahrt im Saal X
„Irrfahrt“ (Originaltitel: Op Zee) ist der Debütroman des niederländischen Schriftstellers und Journalisten Toine Heijmans. Das Buch erschien im Original bereits 2011. Nachdem das Buch jahrelang vergriffen war, erlebte es im Frühjahr 2025 eine Neuauflage. „Irrfahrt“ weist im Grunde alle klassischen Merkmale einer Novelle auf, eine „unerhörte Begebenheit“. Das Werk lässt sich als Kammerspiel auf offener See beschreiben: Der Protagonist Donald ist ein typischer moderner Mittvierziger, der sich von seinem Büroalltag geprägten Leben gefangen fühlt. Um dem Trott zu entfliehen, nimmt er sich eine dreimonatige Auszeit, um allein mit seiner Segelyacht auf der Nordsee unterwegs zu sein. Zum Abschluss seines Törns holt er seine siebenjährige Tochter Maria im dänischen Thyborøn ab. Gemeinsam wollen sie die letzte Etappe in die Niederlande segeln. Die zweitägige Überfahrt verläuft zunächst ruhig, doch dann schlägt das Wetter um. Die physische Belastung schlägt schnell in psychischen Terror um. Toine Heijmans stellt sein Buch am Donnerstag, 30. Juli, im „Saal X“ am Karlsplatz 8 vor.
Der Kauf von Karten und die Reservierung von Plätzen für den Literarischen Sommer 2026 sind im Internet ab sofort möglich. Der Eintritt zu den einzelnen Lesungen kostet je zwölf Euro, ermäßigt sechs Euro. Das Festivalticket kostet 40 Euro, ermäßigt 25 Euro. Wer eine Festivalkarte besitzt, muss sich für einen Euro einen Sitzplatz bei den jeweiligen Veranstaltungen reservieren. Weitere Informationen und Karten zu allen Lesungen gibt es unter www.literarischer-sommer.eu.




