Krefeld: Haus der Bildung wächst in die Höhe

Dass unterschiedliche Systeme sinnvoll ineinandergreifen können, lässt sich im „Haus der Bildung Mitte" schon lange vor der Eröffnung erleben.

Krefeld – Demnächst sind in dem Gebäude an der Hofstraße Kindertageseinrichtung (Kita), Grundschule, Sporthalle und Familienzentrum unter einem Dach vereint, aktuell bauen die Arbeiter in zehn verschiedenen Gewerken parallel am Rohbau und am Innenausbau – eine eher ungewöhnliche Konstellation. „Dadurch liegen wir jetzt deutlich vor dem Zeitplan”, sagt Stadtdirektor Markus Schön, der als Dezernent für die Bereiche Kita und Schule verantwortlich ist. „Hatten wir bisher immer mit einer Eröffnung im Jahr 2026 geplant, gehen wir nun von Herbst 2025 aus.” Vor allem im stark nachgefragten Bereich der Kita-Plätze ist das eine tolle Nachricht: In sechs Gruppen werden 100 Kinder frühzeitig einen Kindergartenplatz bekommen. Auch der Umzug der Grundschulkinder aus dem Zwischenquartier an der Westparkstraße könnte deutlich früher erfolgen. Zwölf Klassen finden im Haus der Bildung Platz.

Beeindruckender Bau mit 12.000 Quadratmetern Nutzfläche

Die frühere Mosaikschule, die auf diesem Grundstück angesiedelt war, ist komplett verschwunden. Stattdessen ist seit der Grundsteinlegung vor gerade acht Monaten ein beeindruckender Bau mit 12.000 Quadratmeter Nutzfläche in die Höhe gewachsen, der den Häuserblock zwischen Preußenring, Hofstraße, Drießendorfer Straße und Weberstraße optisch beherrscht. Der Zugang für Menschen und Fahrzeuge erfolgt von der Hofstraße aus. Dort befinden sich sowohl die Zufahrt zur Tiefgarage als auch der Haupteingang, der in ein großzügiges Foyer mit einer breiten, offenen Treppe führt. „Für mich ist das wie Weihnachten und Ostern an einem Tag”, sagt Markus Schön bei der ersten Besichtigung des fast fertigen Rohbaus. „Bisher war das Haus der Bildung eine pädagogische Idee. Hier kann man zum ersten Mal erahnen, wie sich diese Idee praktisch anfühlen wird.”
Obwohl die Zwischenwände noch fehlen, werden beim Rundgang die Strukturen des künftigen Gebäudes bereits deutlich. Projektleiter Jens Quellmalz vom Zentralen Gebäudemanagement (ZGM) und Bauleiter Lars Merker von der ausführenden Firma MGN zeigen auf den Meter genau, wo die Grenze zwischen Kita und Grundschule innerhalb des Gebäudes verlaufen wird. Eine Mensa mit Lehrküche wird für beide Einrichtungen zur Verfügung stehen: Dort wird nicht nur Essen aufgewärmt, sondern frisch gekocht. Drei offene Innenhöfe sorgen tief im Gebäude für Tageslicht. „Alle Bereiche können einzeln, aber auch gemeinsam genutzt werden”, erläutert Jens Quellmalz. „Das Projekt ist auch für uns sehr spannend, weil es noch keine Erfahrung mit solchen Konzepten gibt.”

Ein farbiges Leitsystem weist den Weg durch das Gebäude

Damit sich niemand verläuft, wird ein Gebäudeleitsystem mit unterschiedlichen Farben den Weg weisen – rot-orange für die Kita, grün für die Schule, blau für den Sport. Apropos: Auch die Sporthalle ist bereits deutlich erkennbar, ein großer hoher Raum, der jede Menge Platz für Bewegung und für bis zu 300 Gäste bei Veranstaltungen bietet. Nach hinten hinaus verfügt das Gebäude zudem über eine offene Terrasse, die mit kleinen Spielhäusern möbliert werden soll. Von dort aus überblickt man das 3700 Quadratmeter große Gelände, das später als Schulhof und als Außenbereich der Kita dienen soll. Wo im Moment noch Baumaterial lagert und Container der Baufirma aufgereiht sind, werden demnächst Spielgeräte aufgestellt.

Ein besonderer Hingucker soll die Fassade des Gebäudes werden, die aus unterschiedlichen Elementen besteht – von rotem Klinker im Backstein-Look über Metall bis hin zu Beton-Fertigteilen. 220 dieser Beton-Elemente, jedes rund eine Tonne schwer, wurden bereits am Gebäude befestigt. Buchstaben und ganze Wörter wie „Lesen”, „Malen” oder „Spielen” werden in die Fassade eingraviert. Die Vorschläge dafür stammen von den Kindern, die das Gebäude bald beziehen sollen. Ihnen soll laut Markus Schön auch die Aufgabe zufallen, einen neuen Namen für das „Haus der Bildung Mitte” beziehungsweise die darin untergebrachte Schule zu finden. „Es wäre nicht richtig, wenn sich jetzt Politiker oder Verwaltungsleute einen endgültigen Namen ausdenken”, erklärt Stadtdirektor Markus Schön. „Das soll die Schulgemeinschaft gerne selbst übernehmen.”

Ein weiterer wichtiger Aspekt des neuen Gebäudes ist das Thema Nachhaltigkeit. Das fängt im Kellergeschoss an, wo statt eines Betonbodens in der Tiefgarage Pflastersteine verbaut sind, und reicht bis zum Dach, das begrünt ist und über eine Photovoltaikanlage verfügt. „Wir haben unsere Nachhaltigkeitsstandards in dem Gebäude konsequent umgesetzt”, sagt Rachid Jaghou, Leiter des Zentralen Gebäudemanagements. „Sogar die Raumluft wird von Anfang an gemessen und auf Schadstoffe geprüft. Es handelt sich um ein rundum gesundes Gebäude.” Geheizt wird es über Erdwärmepumpen in Kombination mit Fernwärme. Dafür wurden insgesamt 30 Geothermie-Bohrungen vorgenommen. Über die Tiefgarage wird letztendlich sogar der Parkraum in der Nachbarschaft entlastet: Mehr als 70 der 100 Parkplätze stehen Anwohnerinnen und Anwohnern als Quartiersgarage zur Verfügung.

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