Krefeld – Er organisiert regelmäßig Veranstaltungen und erstellt Bildungsmaterial, zuletzt etwa im Vorfeld der Bundestagswahl mit Wahlprüfsteinen und einem Quizabend. Jeden ersten Dienstag eines Monats treffen sich die rund 20 Mitglieder in ihren Räumlichkeiten am Ostwall 107 zur offenen Versammlung. Hier diskutieren sie, wie sie relevante Themen auf die öffentliche Agenda setzen können. Der Jugendbeirat engagiert sich auch ehrenamtlich, sammelt seit Jahren beträchtliche Summen für das StupsKinderzentrum. Alle zwei Jahre konstituiert sich das Gremium für 14- bis 21-Jährige neu. Dem vorgelagert ist eine Findungsveranstaltung ein paar Wochen zuvor. Mit diesem Format am 21. März in der Kulturfabrik verfolgte der Jugendbeirat dreierlei Ziele: Er wollte seine Arbeit vorstellen, neue Ideen und Stimmungsbilder aufspüren – und bestenfalls baldige Mitglieder akquirieren.
Gekommen sind insbesondere interessierte Jugendliche aus den Krefelder Schulen und Jugendzentren. Der Jugendbeirat hatte das Programm als eine Mixtur aus lockeren Aktionen, Unterhaltungselementen, vor allem aber Informations- und Mitmachangeboten aufgebaut. Dazu gehörte auch ein Talk mit Stadtdirektor und Jugenddezernent Markus Schön, der in seiner Heimatstadt München einst selbst in der Jugendpolitik und -verbandsarbeit aktiv war. „Auch deshalb sind mir die jugendpolitischen Belange ein besonderes Anliegen“, sagte Schön und schob prompt ein großes Lob hinterher, direkt an den Jugendbeirat gerichtet: „Ich finde es toll, wie ihr euch seit Jahren so energisch und zielsicher einbringt. Darauf können wir in Krefeld wirklich stolz sein und müssen keinen interkommunalen Vergleich scheuen.“ Selbiges gelte für die 21 Jugendzentren und die Mobile Jugendarbeit in Krefeld. „Wir sind hier wirklich gut aufgestellt. Mir gefällt besonders, dass die Jugendeinrichtungen so unterschiedlich ausgerichtet sind und wir alle zusammen regelmäßig großartige Veranstaltungen wie das Seifenkistenrennen oder die KinderExpo feiern können.“
„Wir möchten noch kinder- und jugendfreundlicher werden“
Das Moderations-Duo um Emma und Clemens hakte im Interview forsch nach, gerade wenn es um die Themen Bildung, Digitalisierung und Klimaschutz ging. Markus Schön plädierte dabei für mehr jugendpolitische Bildungsangebote im schulischen Unterricht. Darüber hinaus wolle man mehr Bewegungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche im innerstädtischen Raum schaffen. „Hier möchten wir noch kinder- und jugendfreundlicher werden“, sagte Schön und bezog sich auf das jüngst verliehene Siegel als Kinderfreundliche Kommune. „Unseren gerade erst zertifizierten Aktionsplan möchten und müssen wir nun nachhaltig mit Leben füllen.“ Der Stadtdirektor verwies auch auf die Bedeutung der jugendpolitischen Beteiligungsformate. Ein Beispiel dafür sei die im November breit aufgelegte Jugendbefragung mit 1.000 Teilnehmenden. Deren Ergebnisse fließen in den kommenden Kinder- und Jugendförderplan ein.
Dem Talk schloss sich der kollektive Dialog an. Dazu hatte der Jugendbeirat die große Halle in der Kulturfabrik mit Stellwänden in fünf Foren unterschiedlicher thematischer Schwerpunkte aufgeteilt: Jugendpolitik/Beteiligung, Schule/Nonformale Bildung, Demokratie/Vielfalt, Umwelt/Nachhaltigkeit und Sport/Kultur. Die Jugendlichen trafen hier auf verschiedene Akteure und Experten aus Verwaltung und Stadtgesellschaft. Sie diskutierten, notierten die ausgetauschten Argumente und erstellten konkrete Meinungsbilder. Das jugendpolitische Forum etwa hielt ein Votum zum Wahlalter ab. Das Ergebnis: Unisono sprachen sich die Jugendlichen für ein allgemeines Wahlrecht ab 16 Jahren aus. Deutlich kontroverser wurde es bei der Parallelabstimmung zu einer Wahlobergrenze. Hier waren die Beteiligten zwiegespalten: die Hälfte konnte sich mit dieser Idee anfreunden, die andere lehnte sie ab.
Lebhafte Diskussionen in verschiedenen Foren
Lebhafte Diskussionen gab es auch im Umweltforum, inklusive einem Meinungsbild mittels Stickerabfrage. Hierüber befürworteten die Jugendlichen ein Verbot von „Fast Fashion“, also Mode, die zu niedrigen Preisen angeboten wird, aus sozialen und ökologischen Gesichtspunkten aber in der Kritik steht. Außerdem war ein relevanter Anteil davon überzeugt, schon im Kleinen und individuell den Klimaschutz positiv beeinflussen zu können. Ein positives Fazit zeigte das Stimmungsbarometer im Schulforum an: Grundsätzlich überwiegt die Zufriedenheit bei Krefelds Jugendlichen. Nachholbedarf sehen sie beim Umgang von Fällen verschieden gearteter Diskriminierung.
Konsens bestand beim Thema Gesellschaft und Demokratie. Aufklärung und Empathie seien maßgebend, um ausgrenzenden und diskriminierenden Tendenzen entgegenzuwirken. Im Kulturforum kamen alle Akteure überein, dass Krefeld bereits für Jugendliche ein vielseitiges Kultur- und Sportangebot bereithalte. Häufig hapere es hier aber an der Bekanntheit. Deshalb entwarf das Forum erste Verbesserungsvorschläge für die Zukunft.
Lara Oberdieck ist Fachkraft für politische Bildung beim Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung und begleitet den Jugendbeirat verwaltungsseitig. Sie sagte: „Die Jugendlichen können wirklich stolz auf sich sein. Sie haben diese Veranstaltung inhaltlich und organisatorisch nahezu alleine auf die Beine gestellt und einige Jugendliche neugierig machen können. Außerdem können sie die konkreten Ergebnisse aus den Foren direkt in ihre Arbeit einfließen lassen.“ Auch Théa Demarcy war zufrieden mit der Findungsveranstaltung. Für die kommende Legislaturperiode hat sie bereits erste Ziele abgesteckt: „Wir möchten uns in jeglicher Hinsicht noch vielfältiger aufstellen.“ Sie freut sich auf die nächsten zwei Jahre im Jugendbeirat, der neben der politischen Teilhabe auch noch einen anderen erquicklichen Begleiteffekt für sie hatte: Théa Demarcy hat hier in den vergangenen Jahren ihre besten und engsten Freunde kennengelernt.
Junge Menschen zwischen 14 und 21 Jahren können sich auch fernab der Findungsveranstaltung das ganze Jahr über am städtischen Jugendbeirat beteiligen.