Forschungsprojekt „Erstcheck“ im Aquazoo Düsseldorf

In einer Untersuchung wurde der Frage nachgegangen, ob die ethnografischen Objekte im Aquazoo Löbbecke Museum aus kolonialen Kontexten stammen.

Düsseldorf – Die Ergebnisse des vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste finananzierten Forschungsprojekts „Erstcheck“ liegen jetzt vor. Für einen Teil der rund 100 Gegenstände war bereits bekannt, dass sie aus Kamerun stammen. Ein Schwerpunkt der Untersuchung lag daher auf Objekten, die 1936 im Zuge einer Kamerun-Expedition von Museumsdirektor Horst Sieloff (1895–1971) für eine „Kolonialschau“ im Löbbecke-Museum und im Zoo nach Düsseldorf gelangt sein könnten. Historische Fotografien der Ausstellung und auch spätere Aufnahmen halfen dabei, einzelne Objekte zu identifizieren. Hinweise auf eine gewaltsame Aneignung der mitgebrachten Gegenstände wurden nicht gefunden, trotzdem bleibt der Kontext mehr als problematisch. Experten schätzen, dass zwischen 80 und 90 Prozent von Afrikas kulturellem Erbe in europäischen Museen beziehungsweise in deren Depots liegen.

Die „Kolonialschau“ fand 1937 im Rahmen der nationalsozialistischen Kulturpolitik statt, die durch ein rassistisches Weltbild geprägt war. Die Ausstellung beinhaltete unter anderem die menschenunwürdige Zurschaustellung von Personen im Zoo. Zudem stand Kamerun, von 1884 bis 1919 deutsche Kolonie, zur Zeit der Expedition unter Französisch-Britischem Mandat.

Ergebnisse sind online abrufbar
Fortschritte konnten bei der Bestimmung von Funktionen und der regionalen Herkunft erzielt werden: Neben 21 Objekten aus Kamerun enthält der Bestand 16 Gegenstände, die sicher oder wahrscheinlich ebenfalls in Afrika hergestellt wurden, darunter figürliche Arbeiten aus Nigeria und Schmuck aus Namibia. Zwei Masken stammen aus Sri Lanka, vier weitere Objekte aus Ozeanien.

Ein zentrales Ziel des Projekts bestand darin, die Objekte auch für ihre Herkunftsgesellschaften zugänglich zu machen. Jetzt hat d:kult die Ergebnisse in der Online-Sammlungsplattform der Landeshauptstadt Düsseldorf unter https://emuseum.duesseldorf.de veröffentlicht. Interessierte und Forschende haben so direkten Zugang zu den neuen Erkenntnissen.

Das „Erstcheck“-Projekt
Sechs Monate lang untersuchte der Provenienzforscher und Kulturanthropologe Dr. Christoph Rippe die Objekte, darunter Skulpturen, Schmuck, Waffen, Geräte und Behältnisse wie Schalen und Körbe. In Kartons gelagert, waren die Gegenstände im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten, denn in den umfänglichen, vorrangig naturkundlichen Sammlungsbeständen des Museums bilden sie einen Sonderfall. Erst im Jahr 2021 gelangten sie wieder in den Blick. Im Zuge der wissenschaftlichen Erfassung wurden alle Informationen zur Herkunft und Funktion dokumentiert und in die Objektdatenbank übertragen. Das Restaurierungszentrum Düsseldorf (RED) trug durch materialtechnische Analysen zur Bestimmung bei. Da diverse Gegenstände aus Naturmaterialien bestehen, konnten auch Experten aus dem Aquazoo wertvolle Hinweise liefern. Beispielsweise gehört eine Kette aus Haiwirbeln (Herkunftsregion: Ozeanien) zum Bestand.

Darüber hinaus recherchierte Dr. Rippe in Archiven in Düsseldorf und überregional zu relevanten Personen und historischen Ereignissen. Besonders Fotobestände lieferten interessante Entdeckungen. Der Forscher fand Hinweise auf eine weitere Kamerunreise in den 1930er-Jahren sowie auf die Sammlung von Zoodirektor Robert Visser (1860–1937), die 1938 ins Museum kam und 1944 wohl zerstört wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangten weitere ethnografische Gegenstände ins Löbbecke-Museum, etwa aus der Sammlung des Düsseldorfer Tierbildhauers Josef Pallenberg (1862–1946).

Weitere Vorstellung der Ergebnisse am 10. April
Das „Erstcheck“-Modell des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste zeigt auf, wo weitere Recherchen notwendig sind. Für den Bestand im Aquazoo Löbbecke Museum hat Rippe neue Forschungsfragen zusammengestellt. Besonders der Kamerun-Kontext bietet Ansätze für vertiefende Untersuchungen, die auch lokale Archive einbeziehen sollten. Zudem bedarf eine Ikenga-Figur aus Nigeria einer eingehenden Analyse. Mit den Ergebnissen des Erstchecks wird eine solide Basis für weiterführende Forschung geschaffen – ein wichtiger Schritt für Transparenz und die Aufarbeitung kolonialer Bezüge.

Zum Tag der Provenienzforschung werden die Forschungsergebnisse am Donnerstag, 10. April 2025, vorgestellt. Die öffentliche Veranstaltung in den Räumen des Restaurierungszentrums Düsseldorf, Ehrenhof 3a, beginnt um 18 Uhr, der Einlass erfolgt ab 17.30 Uhr. Um Anmeldung via E-Mail wird gebeten an aquazoo@duesseldorf.de.

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