77. Meisterfeier der Handwerkskammer Düsseldorf

Zum 77. Mal ehrte die Handwerkskammer Düsseldorf einen neuen Meisterjahrgang mit einem Festakt: der Zentralen Düsseldorfer Meisterfeier, alljährlich größte Saalveranstaltung des deutschen Handwerks.

Düsseldorf – 2.500 Gäste füllten die Tribünen und – nach „offiziellem“ Programmteil mit wertschätzenden und von politischen Botschaften gespickten Ansprachen – auch das zur Partyzone umgewandelte Infield. Emotionaler Höhepunkt: Eine Ehrung der 14 jahresbesten Prüfungs- absolventen, die, von WDR-Journalistin Catherine Vogel vorgestellt, ihre Meisterurkunde auf offener Bühne aus den Händen von Bundesminister Dr. Karsten Wildberger entgegennahmen.

Minister Wildberger: Auch KI wird keinen Meister ersetzen

„Sie haben Enormes geleistet. Sie und das gesamte Handwerk sind ein Rückgrat unserer Wirtschaft und ein zentraler Treiber für Innovation, Ausbildung und Wertschöpfung vor Ort. Gerade mit Blick auf KI und digitale Technologien zeigt sich: Wer Handwerk stärkt, stärkt Deutschlands Zukunft. Deshalb arbeitet die Bundesregierung daran, Betriebe spürbar zu entlasten und Prozesse zu vereinfachen. Wir bauen bürokratische Hürden Schritt für Schritt ab – damit die Meisterinnen und Meister von heute Morgen mehr Zeit und Freiraum haben, sich auf ihr Handwerk zu konzentrieren,“ verband das für Digitales und Staatsmodernisierung zuständige Mitglied der Bundesregierung im Festvortrag seine Glückwünsche an die Meisterinnen und Meister mit einer Würdigung des mittelständischen Wirtschaftssektors als Hauptadressat seiner Initiativen zu Verwaltungsverein-fachung und -beschleunigung. Auch KI werde „keinen Meister ersetzen“, betonte der Minister, der allerdings dafür warb, die neue Technologie aktiv zu nutzen. Wildberger sagte unter Applaus zu, das Tempo beim Bürokratieabbau „noch weiter zu steigern.“
„Ein Meistertitel ist kein Schlusspunkt, sondern ein Startsignal. Meisterinnen und Meister halten Betriebe stark, bilden aus und bringen Wissen genau dorthin, wo es wirkt: in die Städte und Werkstätten des Landes. Dafür brauchen Sie eine Politik, die ihnen Rückenwind gibt – und NRW arbeitet daran“, gab Stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur im Talk mit Moderatorin Vogel dem Führungskräfte-Nachwuchs aus dem Handwerk als Botschaft mit.

Ehlert: Staat muss schneller und koordinierter werden

„Sie haben tagsüber gearbeitet und abends die Meisterschule besucht, Beruf, Familie und Kinder gleichzeitig organisiert. Oder eine berufliche Auszeit genommen und tagsüber die Meisterschule besucht. Hohen Lernaufwand und die anspruchsvollen Prüfungen durchgestanden. Rund die Hälfte von ihnen hat bereits gegründet oder plant es. Fast alle von Ihnen wollen ausbilden und ihr Wissen weitergeben. Sie leben Karriere mit Verantwortung und Gefühl. Sie sind Optimismus pur für unser Land!“, hatte auch der Präsident der Handwerkskammer, Andreas Ehlert, dem neuen Meisterjahrgang von Rhein, Ruhr und Wupper eingangs des Festaktes höchste Anerkennung gezollt. Um im zweiten Teil seiner Begrüßungsansprache dann konkrete Reform-Erwartungen an die Berliner Regierungskoalition zu adressieren: „Unternehmertum findet derzeit unter schwierigen Bedingungen statt: Schwaches Wachstum, hohe Steuern und Abgaben, steigende Energiekosten, zu viel Bürokratie, zurückhaltende Kunden.“ Staatsmodernisierung sei fürs Handwerk deshalb „eine ganz konkrete Zukunftsfrage: Verfahren müssen schneller, Förderung einfacher und der Staat koordinierter werden und digital aus einem Guss arbeiten!“, mahnte Ehlert – und zitierte ein zentrales Ergebnis einer Umfrage der Kammer unter den aktuellen Meisterabsolventen, welche neben den wuchernden Lasten der Bürokratie vor allem die Höhe von Steuern und der steigenden Sozialabgaben als Gründungshemmnisse bestätigt habe. „Optimismus ins Land zurückbringen. Zuversicht schaffen. Den Menschen wieder das Gefühl geben, dass Zukunft etwas Großartiges sein kann,“ gab der Handwerkspräsident eine typische Originalaussage eines Umfrageteilnehmers als politischen „Auftrag“ der Meisterklasse an die Reform-Agenda der Regierungskoalition wieder.

Meister-BAföG einfacher, schneller und digitaler machen

An die Adresse der NRW-Landesregierung gerichtet, würdigte Ehlert einerseits jüngste Entbürokratisierungsanstrengungen, und übte andererseits Kritik an der wichtigsten Fortbildungs-Förderung, des Meister-BAföG, das unverändert zu Verzögerungen bei der Bewilligung und Auszahlung führe. Hier müsse der Bundesgesetzgeber „endlich die Regeln vereinfachen und das Antragsverfahren medienbruchfrei und vollständig digital umsetzen!“

Einmal mehr zog die Zentrale Düsseldorfer Meisterfeier mehrere Hundert Persönlichkeiten des Öffentlichen Lebens an, neben Landeswirtschaftsministerin Mona Neubaur unter anderen die Staatssekretäre Thomas Jarzombek MdB und Matthias Heidmeier (NRW) sowie mehr als ein Dutzend weitere Abgeordnete aus Bundes- und Landesparlament, Regierungspräsident Thomas Schürmann, Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und zahlreiche weitere Spitzen aus Kommunalpolitik, Wirtschaft und dem Berufsbildungswesen.

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