Bilder von Brunhild Mauss im Textilmuseum Krefeld

Bilder von Brunhild Mauss werden in der Ausstellung "Sehnsucht Wald" des Deutschen Textilmuseum Krefeld gezeigt.

Krefeld – Als Betrachter muss schon genauer hinsehen. Auf den ersten Blick könnten die Bilder von Brunhild Mauss gemalt sein. Sie sind es jedoch nicht. Erst aus der Nähe offenbart sich, dass Bäume, Gräser und dichtes Grün nicht mit Pinsel und Farbe entstanden sind, sondern aus zahllosen feinen Stichen. Seit fast vier Jahrzehnten widmet sich die 1939 geborene Berlinerin dieser besonderen Form der Textilkunst. Sie hat sich diese Technik selbst angeeignet und perfektioniert. Seit 1987 entstehen so ihre einzigartigen Landschaftsbilder. Für die aktuelle Ausstellung „Sehnsucht Wald“ im Deutschen Textilmuseum Krefeld hat die 86-Jährige – zu ihren dort bereits gezeigten Arbeiten – nun ein neues Werk geschaffen, einen Birkenhain. „Sie hat eine große und begeisterte Fangemeinde unter den Besuchern unserer Ausstellung“, betont Museumsleiterin Dr. Annette Schieck.

Bis zu vier Bilder pro Jahr

Das künstlerische Schaffen der 86-Jährigen besitzt eine eigene, unverwechselbare Handschrift. Ihre filigranen Werke sind detailreich, wirken aber gleichzeitig erstaunlich leicht. Die Bilder entstehen auf sehr feinen Stoffen, etwa Hemdenstoff oder Seide. Stets in einem kleinen Format. Die verwendeten Fäden sind so dünn, dass sie mit bloßem Auge kaum einzeln zu erkennen sind. Eine Lupenlampe gehört deshalb zu ihren Arbeitsutensilien. Ein Bild entsteht nicht in wenigen Tagen, sondern in drei bis vier Monaten. Meist beschäftigt sie sich ein bis zwei Stunden pro Tag. „Und ich sticke jeden Tag“, so Mauss. Oft hört sie dabei Radio. Im Durchschnitt entstehen auf diese Weise etwa drei oder vier Bilder pro Jahr, in fast 40 Jahren rund 160 Arbeiten. Nicht mitgezählt sind dabei Werke mit Motiven aus ihrem privaten Umfeld, wie von ihren Enkeln. – Auftragsarbeiten nimmt sie grundsätzlich nicht an. Sie verkauft zwar Bilder. „Ich bin aber nicht besonders scharf darauf“, sagt die 86-Jährige mit einem Anklang von „Berliner Schnautze“ in ihrer Stimme.

Motive vom Niederrhein

Schon als Schülerin interessierte sie sich für kreatives Arbeiten. Sie probierte unterschiedliche Techniken aus, darunter Aquarell, Ölmalerei und Linoldruck. Den entscheidenden Anstoß gab schließlich eine Bekannte, die bestickte Grußkarten mit Motiven aus Kinderbüchern verschickte. Mauss wurde neugierig und versuchte die Technik aus. Danach ließ sie die Stickerei nicht mehr los. – Der Liebe wegen kam sie vor Jahrzehnten aus West-Berlin an den Rhein. Und so ist sie eng verbunden mit der niederrheinischen Landschaft. Rund sechs Jahrzehnte lebte sie bei St. Tönis in unmittelbarer Nähe von Gut Groß Lind zwischen Wald, Wiesen und Feldern. Zahlreiche Motive entstammen aus dieser Umgebung. Entscheidend für ihre Motivauswahl ist, dass sie einen Ort selbst erlebt hat. Fotografien dienen ihr als Gedächtnisstütze und Arbeitsgrundlage, werden aber nicht einfach kopiert. Während des Stickens entwickelt sich das Motiv weiter. Inzwischen lebt Mauss nach dem Tod ihres Mannes wieder in Berlin. Für ihr jüngstes Werk, das in der Ausstellung zu sehen sein wird, besuchte sie einen ehemaligen Grenzstreifen im Berliner Umland. Aus diesem Eindruck entstand eine Stickerei mit Birken.

Die Ausstellung „Sehnsucht Wald“ ist noch bis zum 27. Dezember im Deutschen Textilmuseum am Andreasmarkt zu sehen.

xity.de
Nach oben scrollen