Düsseldorf – Ziel ist es, Menschen mit gesundheitsbezogenen sozialen Bedarfen – etwa Einsamkeit, Stress oder eingeschränkter Teilhabe – frühzeitig zu erreichen und ihnen den Zugang zu passenden Unterstützungsangeboten zu erleichtern.
Gesundheit wird dabei ganzheitlich betrachtet: Neben medizinischen Faktoren werden auch soziale Bedarfe berücksichtigt. Mithilfe eines sogenannten „sozialen Präventionsrezepts“ sollen Menschen leichter den Weg zu passenden Angeboten finden und stärker am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Präventionsangebote – von Bewegung über Ernährung bis hin zu sozialen Treffpunkten – werden gezielt erschlossen und zugänglich gemacht.
Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller erklärt: „Düsseldorf soll ein Ort sein, an dem Menschen in jedem Lebensalter selbstbestimmt und gesund leben können. Mit dem Projekt ‚Social Prescribing‘ schaffen wir neue Wege, um medizinische Versorgung und soziale Unterstützung besser miteinander zu verknüpfen. So erhalten Menschen schneller Zugang zu Angeboten, die ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden und ihre gesellschaftliche Teilhabe stärken. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zu mehr gesundheitlicher Chancengleichheit in unserer Stadt.“
Ein besonderer Fokus liegt auf alltagsnahen Lösungen, die direkt im Lebensumfeld der Menschen ansetzen: So können Kinder und Jugendliche über Freizeit- und Bewegungsangebote erreicht sowie Erwachsene jeden Alters für passende Angebote und Netzwerke gewonnen werden.
Das Projekt wird gemeinsam vom Amt für Soziales und Jugend sowie dem Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Düsseldorf umgesetzt. Wissenschaftlich begleitet wird es von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Die Techniker Krankenkasse (TK) begleitet die Umsetzung und fördert das Vorhaben finanziell.
Ärztinnen und Ärzte sowie Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten identifizieren während Routineterminen Bedarfe und stellen ein „soziales Präventionsrezept“ aus. Die Betroffenen Patientinnen und Patienten werden anschließend an speziell geschulte Fachkräfte mit sogenannter Link-Worker-Funktion in wohnortnahe soziale Einrichtungen vermittelt. Diese unterstützen gegebenenfalls dabei, weitere passende Angebote aus dem kommunalen Netzwerk zu finden und wahrzunehmen – von Sportangeboten bis hin zu sozialen und kulturellen Treffpunkten. Eine systematische Erfassung der bestehenden Angebote trägt dazu bei, dass diese leichter auffindbar und besser nutzbar werden.
Stephan Glaremin, Leiter des Amtes für Soziales und Jugend, sagt: „Mit ‚Social Prescribing‘ schaffen wir eine verbindende Struktur zwischen medizinischer Versorgung und den vielfältigen sozialen Unterstützungsangeboten in unseren Quartieren. Gerade Hausarzt- sowie Kinder- und Jugendarztpraxen sind wichtige Orte, an denen soziale Belastungen und Unterstützungsbedarfe früh sichtbar werden. Wenn es gelingt, diese Praxen enger mit Familienbildung, offener Kinder- und Jugendarbeit, Stadtteiltreffs, Familienzentren oder den zentren plus zu vernetzen, entsteht ein Unterstützungssystem, das Menschen wohnortnah, lebensweltorientiert und alltagsnah erreicht.“
Die speziell geschulten Fachkräfte ermöglichen einen niedrigschwelligen Zugang zu Angeboten, stärken Gesundheitskompetenz und soziales Miteinander, bauen Zugangsbarrieren ab und fördern die Vernetzung bestehender Strukturen der Prävention und Versorgung.
Andrea Melville-Drewes, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes, betont: „‚Social Prescribing‘ setzt genau dort an, wo Gesundheit im Alltag entsteht: in den Lebenswelten der Menschen. Wenn soziale Belastungen früh erkannt und passende präventive Angebote leichter zugänglich werden, stärken wir nicht nur die individuelle Gesundheit, sondern auch Teilhabe und gesundheitliche Chancengleichheit. Für das Gesundheitsamt ist das Projekt deshalb ein wichtiger Baustein einer modernen, vernetzten kommunalen Gesundheitsförderung.“
Barbara Steffens, Leiterin der TK-Landesvertretung Nordrhein-Westfalen, ergänzt: „Die enge ämterübergreifende Zusammenarbeit und die hohe Priorität, die ‚Social prescribing‘ in Düsseldorf hat, bieten eine große Chance, die Zugänge zu Angeboten im Bereich Prävention/Gesundheitsförderung und soziale Teilhabe zu verbessern, so dass mehr Menschen gesünder aufwachsen, gesünder leben und gesünder älter werden können. Deshalb unterstützt die TK das Vorhaben gerne.“
Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird schrittweise erprobt und weiterentwickelt. Ziel ist eine langfristige Integration in bestehende Versorgungsstrukturen sowie die Übertragbarkeit auf weitere Kommunen.




