Höhepunkte des Lyriktreffens 2026 in Münster

Beim Lyriktreffen Münster steht 2026 nicht nur die hohe Kunst der Poesie, sondern auch die medial geprägte Alltagssprache mit ihren Verkürzungen im Vordergrund.

Münster – Unter dem Motto „Poesie und Sprechblase“ präsentieren vom 3. bis 5. Juli Lyrikerinnen und Lyriker aus dem In- und Ausland ihre Werke. Das vom städtischen Kulturamt in Kooperation mit dem Literaturverein veranstaltete biennale Festival zeigt dieses Jahr auch spannende Projekte zum Text-Bild-Medium Comic.

Poesie, die alle Facetten des Lebens widerspiegelt

Bei den Abendlesungen „Poesie und Sprechblase“ am Freitag und Samstag im Theater Münster erhalten internationale Poetinnen und Poeten das Wort. Am ersten Festivalabend liest neben der serbischen Poesiepreisträgerin Milena Marković und ihrer Übersetzerin Mirjana Wittmann unter anderem die ukrainisch-amerikanische Dichterin und Literaturübersetzerin Oksana Maksymchuk. Das 2025 erschienene Werk von Maksymchuk „Tagebuch einer Invasion“ beschreibt die Kriegswirklichkeit in der Ukraine trotz poetischer Form nüchtern und präzise. Schnellzeichnerin Leefje Roy begleitet an diesem Abend das auf der Bühne Gesprochene zeichnerisch.

Der zweite Festivalabend wartet mit Größen wie Büchnerpreisträgerin (2025) Ursula Krechel und Poesiepreisträgerin (2019) Monika Rinck auf, bringt aber auch Überraschendes von dem in Haiti geborenen Lyriker James Noël auf die Bühne. Der für seinen 2020 erschienenen Roman „Was für ein Wunder“ mit dem Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt Berlin ausgezeichnete Schriftsteller wirft in seinem Werk einen poetischen Blick auf seine Heimat und verarbeitet Themen wie das Erdbeben auf Haiti 2010. Die Abendlesungen finden jeweils um 20 Uhr im Kleinen Haus statt.

Am Samstagnachmittag erfahren Festivalbesucherinnen und -besucher bei der Podiumsdiskussion „Sprache, Macht, Poesie“ im Theatertreff, welche Energien sie im aktuellen gesellschaftlichen Klima von der Poesie erwarten dürfen. Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Maren Jäger diskutiert mit ihrem international und weiblich besetzten Podium, bestehend aus den Preisträgerinnen Milena Marković und Mirjana Wittmann sowie den Dichterinnen Oksana Maksymchuk und Monika Rinck, wie diese ihr Schreiben und Übersetzen in einer zunehmend von Gewalt und Unterdrückung geprägten Wirklichkeit erleben.

Poesie als Motor für Innovation

Ein zentrales Projekt des Festivals ist die Ausstellung „PoesieComic. Eine Begegnung“, die am Freitag um 18 Uhr in der Stadthausgalerie eröffnet wird und bis zum 24. Juli zu sehen ist. Vier Dichterinnen und Dichter und vier Comic-Künstlerinnen und -Künstler haben dafür gemeinsam neue Werke entwickelt. Ausgangspunkt war dabei das Gedicht „Reklame“ von Ingeborg Bachmann, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte. Mit seinem besänftigenden Säuseln „ohne sorge sei ohne sorge“ entwickelt das Gedicht heute in Zeiten verkürzter und formelhafter Sprache eine neue Dynamik. Die Ausstellung zeigt, wie sich das traditionsreiche Genre Lyrik mit dem modernen Medium Comic verbindet und so eine neue Kunstform entsteht. Professor Moritz Baßler, Literaturwissenschaftler an der Universität Münster, wird die Ausstellung eröffnen.

Zu den Neuheiten des diesjährigen Lyriktreffens gehört Dirk Hülstrunks „Büro für überflüssige Worte“, zu dem der Multimedia-Künstler an wechselnden Spielstätten einlädt. Als fiktiver Beamter nimmt er Wörter entgegen, die aus Sicht seiner Gäste überflüssig geworden sind, und tauscht sie gegen neue Begriffe. Bei der Abendlesung am Samstag bekommen die gesammelten Wörter in einer poetischen Performance dann ihren eigenen Auftritt.

Neu im Festival-Programm sind außerdem die „Lesezimmer“ am Samstagvormittag in der Stadtbücherei. In kleinen Gruppen lesen die Gäste gemeinsam Gedichte der auf dem Festival vertretenden Autorinnen und Autoren. Dabei sind einige bekannte Persönlichkeiten selbst vor Ort: Luca Kieser, Jan Kuhlbrodt und Kinga Tóth begleiten die Lesungen. Im Anschluss können die Teilnehmenden und Kunstschaffenden bei der „Kaffeetafel“ ihren Austausch fortführen. Als weiterer Gast teilt Lyrikspezialist Professor Frieder von Ammon bei diesem Zusammensein seine eigenen Leseeindrücke und gibt Denkanstöße.

Die Teilnahme an diesem Programmpunkt ist kostenlos, eine Anmeldung unter lesezimmer@lyriktreffen.de ist wegen begrenzter Plätze erforderlich und bis zum 24. Juni möglich. Karten für alle anderen Veranstaltungen sind an der Theaterkasse, unter www.theater-muenster.com sowie telefonisch unter 02 51/59 09 100 erhältlich.

Das Lyriktreffen wird unterstützt von der Kunststiftung NRW. Ein ausführliches kostenloses Programmheft ist in der Münster-Information im Stadthaus 1 und im Theater Münster erhältlich. Das Programm ist außerdem digital unter www.stadt-muenster.de/kulturamt/lyriktreffen einsehbar.

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