Krefeld – Nach aktueller Planung ist der Beginn des Umbaus im Bestandsgebäude zum Ende des Jahres hin geplant. Ziel ist es, die Bedingungen im Obdach Krefeld zu verbessern und dabei gleichzeitig für bessere Zustände in der Einrichtung und im Umfeld zu sorgen. „Wir wollen mit unserem Obdach Krefeld einen Schutz für die hilfebedürftigen Menschen bieten und ihnen nach Möglichkeit helfen, auf eigenen Beinen zu stehen und eine eigene Wohnung zu beziehen. Damit sorgt die Einrichtung auch für eine Entlastung des öffentlichen Raums“, betont Sozialdezernentin Sabine Lauxen. Das Obdach Krefeld ist mehr als ein reines Übernachtungsangebot für Bedürftige. In der oberen Etage ist zusätzlich eine Wohngruppe untergebracht. Sie ist für solche früheren Obdachlosen gedacht, die die Initiative ergreifen wollen, perspektivisch wieder selbstbestimmt in einer eigenen Wohnung zu leben und stabil zu bleiben.
Mit dem Umbau werden mehr kleinere Räume entstehen
Das Obdach Krefeld ist in einer ehemaligen Schule (Don Bosco) untergebracht. Die Obdachlosen schlafen derzeit immer in größeren Gruppen in den früheren Klassenzimmern. Die Raumaufteilung ist für die Zwecke nicht ideal. Mit dem Umbau, der vom städtischen Fachbereich Wohnen sowie dem Zentralen Gebäudemanagement vorbereitet und umgesetzt wird, sollen die großen Räume durch Trennwände verkleinert werden. Es entstehen mehr kleinere Räume. „Die Menschen im Obdach Krefeld haben dadurch bessere Möglichkeiten, zur Ruhe zu kommen. Es kann dann auch individueller auf Bedarfslagen und psychische Belastungen eingegangen werden, und zwischenmenschliche Konflikte werden reduziert“, betont Sabine Lauxen. Mit der Sanierung entstehen zudem neue dezentrale Wasch- und Duschgelegenheiten in ausreichender Zahl im Gebäude, die nach Geschlechtern getrennt sind. Die aktuelle Containerlösung fällt dann weg. Dazu wird es einen Personalraum, Nebenräume unter anderem für Erste Hilfe und ein Zimmer für Obdachlose mit Haustier geben. Ein barrierefreier Zugang wird eingerichtet, Frauen können in einem getrennten Bereich mit eigenem Zugang übernachten.
Aktuell hat das Obdach Krefeld 89 Plätze. Diese Kapazität bleibt in etwa erhalten: Im Hauptgebäude werden zukünftig 87 Notschlafplätze eingerichtet, einen Nebenschlafplatz im Anbau gibt es für eine Person mit Tier. Die Auslastung liegt im Schnitt bei 73 Personen pro Tag. Im Jahr 2025 gab es insgesamt 27.000 Übernachtungen in der Einrichtung. Sabine Lauxen machte aber deutlich, dass es jahreszeitliche Schwankungen gibt und zudem der Bedarf steigt.
Erfolgsmodell: 72 Personen erfolgreich in Wohnraum vermittelt
Das Obdach Krefeld wird von Thomas Kron als Sachgebietsleiter Streetwork geführt. Er hat mit seinem Team die 2021 eingeführte Konzeption des Hauses erarbeitet. Dazu gehören auch die Hausregeln, an die sich die Menschen zu halten haben. Im Bedarfsfall können Polizei und Streetwork hinzugezogen werden. Der KOD bestreift das Umfeld des Obdachs Krefeld regelmäßig, um die Belastung für die Anlieger gering zu halten. Die Hilfebedürftigen werden gegen 20.30 Uhr in der Notschlafstelle aufgenommen und müssen das Gebäude am nächsten Tag gegen 8.30 Uhr wieder verlassen. Einzig die in der Wohngruppe lebenden Menschen können sich auch tagsüber in dem Gebäude aufhalten. Auch dies ist Teil der neuen Konzeption. Das Team des Obdachs Krefeld begleitet die Menschen aus der Wohngruppe und unterstützt sie dabei, wieder einen regulären Wohnraum zu finden, wieder einer Arbeit nachzugehen und wieder Stabilität im Leben zu erlangen.
Das eingeführte Konzept ist auch aus Sicht von Sozialdezernentin Sabine Lauxen ein Erfolgsmodell: Von September 2021 bis Dezember 2025 wurden auf diese Art und Weise 72 ehemals obdachlose Menschen erfolgreich in Wohnraum oder alternative Einrichtungen vermittelt. Bei 115 in die Wohngruppe aufgenommenen Menschen entspricht dies einer Vermittlungsquote von 63 Prozent. Im Jahr 2026 wurden bis zum 30. April bereits sieben überwiegend junge Menschen vermittelt. Aufgrund der finanziellen Situation der Stadt Krefeld ist der zusätzlich vorgesehene Neubau aktuell nicht im vorläufigen Wirtschaftsplan des ZGM enthalten. Die Wohngruppe kann zukünftig nicht mehr in der Liegenschaft integriert werden. Die Stadtverwaltung sucht aktuell nach einer Lösung für diese Herausforderung. Sabine Lauxen warb dafür im Sozialausschuss um Unterstützung aus der Politik.
Doch auch für die anderen Bewohner in der reinen Notschlafstelle gibt es Unterstützung: Die städtischen Streetworker helfen auch anderen Menschen auf der Straße, vermitteln in anderen Einrichtungen wie Kliniken zur Entgiftung, stationäre Einrichtungen für von Demenz betroffene Obdachlose, sowie alkoholkranke Personen. Die niedrigschwelligen Hilfestellungen der Streetworker finden ergänzend durch tägliche Runden durch die Innenstadt – teilweise gemeinsam mit dem KOD – statt.
Winternotprogramm und „Endlich ein Zuhause“ als wichtige Bausteine
Für die Obdachlosen hat die Stadt noch weitere Hilfsprogramme etabliert. Gemeinsam mit weiteren Trägern wird seit Jahren ein Winternotprogramm angeboten, um die Obdachlosen sicher durch die kalte Jahreszeit zu begleiten und unterstützen. Im Fachbereich Wohnen ist außerdem das Projekt „Endlich ein Zuhause“ angesiedelt. Ziel ist es dabei, Wohnungslosigkeit zu verhindern, noch bevor sie tatsächlich entsteht. Für bereits wohnungslos gewordene Menschen gibt es Unterstützung durch den Aufbau eines Wohnraumpools und durch Kooperationen mit Wohnungsunternehmen, Privatvermietern und Wohnungsverwaltern. Im Projekt wird durch Mitarbeitende der Stadtverwaltung aktiv nach Wohnraum gesucht. Dabei wird mit der örtlichen Wohnungswirtschaft kooperiert. Das Team von „Endlich ein Zuhause“, bestehend aus einem Immobilienkaufmann und einer Sozialarbeiterin, steht Vermietern verlässlich zur Verfügung, um bei auftretenden Störungen des Mietverhältnisses nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Das Projekt wurde im Jahr 2022 für Krefeld bewilligt. In den vergangenen Jahren ist es in Krefeld gelungen, verlässliche Kontakte zu rund 60 Vermietern aufzubauen, um zum einen bestehende Mietverhältnisse zu sichern, aber auch um neue Mietverhältnisse für wohnungslose beziehungsweise obdachlose Haushalte zu schaffen. Seit dem Jahr 2023 bis zum 30. April 2026 wurden in Krefeld 88 Mietparteien mit insgesamt 143 Personen in neue Wohnungen vermittelt, davon 60 Einzelpersonen sowie Familien. Das Projekt läuft zum 31. Dezember 2027 aus. Die Stadt Krefeld wird sich darum bemühen, an einem möglichen Folgeprojekt teilzunehmen, da mit diesem Projekt Wohnungslosigkeit vermieden werden kann.




