Münster – Sie alle wurden im 19. Jahrhundert in Münster geboren oder sind dort aufgewachsen. Die Schau ist die zweite Ausgabe der vierteiligen Reihe im Stadtmuseum zu Münsters Malerinnen zwischen dem 18. und frühen 20. Jahrhundert. Zu sehen ist sie bis zum 20. September.
Nach der guten Resonanz des ersten Teils von „Münsters Malerinnen – Im 18. Jahrhundert bewundert und heute vergessen“ rücken nun Künstlerinnen aus den Stilepochen zwischen 1830 und 1940 in den Fokus: Die ausgestellte Kunst zeigt unter anderem Einflüsse aus mehreren Epochen, darunter Biedermeier, Jugendstil und Expressionismus. Zu sehen sind Werke mit unterschiedlichen Gestaltungstechniken: Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken.
Trotz jahrelanger Recherchen konnte das Team des Stadtmuseums nur zu zwölf Künstlerinnen Arbeiten ermitteln – Leben und Schaffen von fünf Frauen bleiben weitgehend im Dunkeln. Diese Leerstellen werden im Ausstellungsraum mit Bilderrahmen, die die Künstlerinnen-Biografien enthalten, sichtbar gemacht. Die Basis der Ausstellung sind drei zentrale Gemeinsamkeiten der 17 Frauen: Sie alle waren zu Lebzeiten bekannt, nahmen häufig persönliche und finanzielle Einschränkungen für ihre Kunst in Kauf und gerieten nach ihrem Tod in Vergessenheit.
„Die Ausstellungsreihe zeigt eindrucksvoll, wie Frauen unter Entbehrungen und unter Verstoß gegen gesellschaftliche Tabus sich den Weg in die Berufstätigkeit gebahnt haben“, resümiert Kulturdezernentin Cornelia Wilkens. „Sie unternimmt erstmals den Versuch, das Leben und das künstlerische Schaffen münsterischer Malerinnen im 19. und 20. Jahrhundert nachzuzeichnen und unterstreicht damit die Bedeutung unserer lokalen Kultur- und Geschichtsforschung. Andernfalls blieben diese Biografien weiterhin in Vergessenheit.“
Fehlende Informationen ans Licht bringen
Die fehlenden Werke und biografischen Lücken zu fünf Künstlerinnen sieht Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé auch als Chance: „Sie machen die bislang unbeachteten Leerstellen in der münsterschen Stadtgeschichte deutlich. Wir hoffen, dass Besucherinnen und Besucher – aktiviert durch die Ausstellung – dem Stadtmuseum weitere Hinweise und Informationen zur Verfügung stellen können.“
Lebens- und Arbeitsbedingungen der Künstlerinnen
Die Künstlerinnen werden in der Ausstellung unter ihren Geburtsnamen vorgestellt. Einerseits blieben einige unverheiratet, andererseits mussten viele Malerinnen ihre künstlerische Tätigkeit nach der Eheschließung oft auf Anordnung ihrer Männer aufgeben. Auffällig ist die hohe Anzahl an Porträt- und Landschaftsdarstellungen unter den ausgestellten Werken. Das zeigt, dass diese Motive zum einen beliebt bei den Künstlerinnen waren, aber auch, dass diese oft in Münster in Auftrag gegeben wurden.
Begleitprogramm und Katalog zur Ausstellung
Umrahmt wird die Ausstellung durch ein umfangreiches Begleitprogramm. Am Samstag, 16. Mai, lädt das Stadtmuseum um 16 Uhr zur ersten öffentlichen Führung ein. Ausstellungsmacher Dr. Bernd Thier gibt einen Überblick über die Künstlerinnen und ihre Werke und berichtet über die herausfordernde Recherche. Tickets können am Veranstaltungstag im Stadtmuseum Münster erworben werden. Am Dienstag, 23. Juni, folgt um 18 Uhr ein Vortrag mit Dr. Bernd Thier über die einst bewunderten und heute vergessenen Malerinnen aus Münster. Er findet in Kooperation mit dem Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens im Stadtmuseum statt und ist kostenfrei.
Seit 2018 erforscht das Stadtmuseum Münster die Rolle von Malerinnen im lokalen Kunstbetrieb zwischen dem 18. und frühen 20. Jahrhundert. Die Ergebnisse fließen auch in den im Mai 2026 erschienenen Begleitband „Münsters Malerinnen – einst bekannt und heute vergessen“ ein. Zudem beleuchtet er die Rolle des Westfälischen Kunstvereins sowie das Phänomen kunstsammelnder Künstlerinnen.



