Unna – Wer Peter Stohrers Rasterräume betritt, fühlt sich von ihnen magisch umschlossen und gleichzeitig ausgeschlossen, je nach Blickwinkel. Die stehengelassenen Malerkrepp-Streifen versichern die Prozesshaftigkeit: Nichts ist von Dauer. Die Malkörper vor den malerischen Rasterungen scheinen auszubrechen in einen noch unbekannten Raum – vielleicht eine dreidimensionale Geste des Widerstands gegen eine gerasterte Welt. Diese Geste einzufangen und ihr in den Ausstellungsräumen der Carlernst Kürten-Stiftung einen neuen Ausdruck zu verleihen, ist eine spannende Aufgabe, wenn der Künstler sie selbst nicht mehr erfüllen kann – denn er ist 2017 verstorben.
Die Ausstellung zeigt einen Ausschnitt aus dem umfangreichen Werk des Malers und Kurators Peter Stohrer (1951-2017), dessen Oeuvre von Gegenständlich bis Konkret reicht. Der Titel „Rasterrauschen“ ist Programm: Eine Installation aus mehreren Bildern und Objekten, kontrastreichen Materialien, wie Malerei auf Holzkörper, Leinwand und großformatigen Papieren rhythmisiert und dynamisiert den Raum. „Jazz“ nannte es Peter Stohrer in einer Skizze zu einer ähnlichen Installation. Manche Bilder sind eine Reminiszenz an Mondrian, andere ironisieren, durch sichtbare Malerkrepp-Streifen, die Strenge ihres geometrischen Anspruchs, während aus dem Nebenraum ein farbintensives popartistisches Statement aus kleinen Quadraten lockt. Im Kontrast dazu stehen ruhige, skulpturale Arbeiten mit weißen, malerisch gerasterten Oberflächen, „Buildings“ genannt. Die Serie „Im Bau“ – weiße Holzobjekte, die an architektonische Modelle erinnern, werden zusammen mit einigen Arbeiten Carlernst Kürtens in seinem ehemaligen Atelierschrank, (der interessanterweise eine Rasterstruktur aufweist), gezeigt. Hier begegnet man der Farb-Raum-Körper-Grammatik eines Malers (Stohrer) und eines Bildhauers (Kürten) auf ganz neue Art und Weise.
Zur Ausstellung „Peter Stohrer. Rasterrauschen“ gibt es einen Katalog mit Abbildungen der Arbeiten von Peter Stohrer, Aufnahmen aus der Ausstellung in der Carlernst Kürten-Stiftung sowie einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit seinem Werk.




