Schlechtes Zeugnis für Priesternachwuchs: Fürs Gemeindeleben kaum geeignet

Schlechte Noten für den katholischen Priesternachwuchs: Dieser ist nach einer Studie der Bischofskonferenz nicht fürs Gemeindeleben geeignet.

Der Priesternachwuchs der katholischen Kirche in Deutschland ist nach einer von der Kirche selbst in Auftrag gegebenen Studie für die aktuellen Herausforderungen im Gemeindeleben kaum geeignet. Wie die am Freitag von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Bochumer Zentrum für angewandte Pastoralforschung vorgelegten Ergebnisse zeigen, fremdeln die Priester zudem mit der modernen Gesellschaft und den Anliegen für die Reformen der katholischen Kirche.

Studienleiter Matthias Sellmann erklärte, er sehe nach der Befragung unter den in den Jahren 2010 bis 2021 in Deutschland geweihten Priestern eine starke Notwendigkeit zum Umsteuern in der Priesterausbildung. Junge Priester würden sich nicht als gestalterische Führungskräfte sehen und würden mit den Werten der modernen Gesellschaft fremdeln.

„Sie fremdeln zudem mit den Anliegen von Kirchenreformen“, auch mit dem synodalen Weg der deutschen Kirche werde gefremdelt. Da die jungen Priester Seelsorger sein wollten, aber nicht Chef und schon gar nicht Manager, sei eine Überforderung beim Ausfüllen von Führungspositionen programmiert. Aus den heutigen Priester werden absehbar auch Bischöfe rekrutiert werden.

Sellmann erklärte zu den Ergebnissen, die Erwartungen des katholischen Priesternachwuchses an ihre Amtsausübung seien konträr zu den Erwartungen einer Gemeinde an einen Priester. „Die jungen Priester laufen in das ‚offene Messer‘ normaler Gemeindesituationen in Deutschland“, erklärte der Studienleiter.

In dem Untersuchungszeitraum wurden in Deutschland den Angaben zufolge 847 Männer zu katholischen Priestern geweiht. Ins Priesterseminar eingetreten waren in den Jahren 2010 bis 2021 insgesamt sogar 2515 Männer – von diesen gaben 1668 aber das Ziel des Priesterberufs wieder auf, also etwa doppelt so viele wie am Ende geweiht wurden.

An der Befragung nahmen den Angaben zufolge 153 Priester teil, die Ergebnisse seien trotz einer Teilnahmequote von nur 17,8 Prozent dennoch repräsentativ. Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei 37 Jahren, fast alle (93 Prozent) hatten keinen Migrationshintergrund.

In der deutschen katholischen Kirche gibt es schon seit Jahren einen gravierenden Priestermangel. Der Studie zufolge könnte sich diese Situation noch verschärfen, da die Priester der jüngeren Generation aus gesellschaftlichen Konstellationen und innerkirchlichen Milieus kommen, die die größte Wahrscheinlichkeit haben auszutrocknen.

Die Studienmacher befragten den Priesternachwuchs auch zu verschiedenen Haltungsfragen. So ergibt sich, dass 58,3 Prozent der katholischen Priester CDU oder CSU wählen würden, wenn jetzt Bundestagswahl wäre. Damit ist die Union deutlich die stärkste Kraft und schneidet deutlich besser ab als in der Allgemeinbevölkerung.

Die AfD würde hingegen von den Befragten nicht eine Stimme bekommen. Die Grünen würden bei Priestern leicht besser abschneiden als in der Gesamtbevölkerung, die SPD käme dagegen nur auf 6,3 Prozent.
© AFP

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