Mönchengladbach – Noch sind es Baustellenfahrzeuge, offene Flächen und fleißige Bauarbeiter, die das Bild auf dem Mühlentorplatz in Rheindahlen prägen. Doch Stück für Stück nimmt der Platz im Herzen des Stadtteils sein finales Aussehen an. Denn die Maßnahme aus dem Stadtumbaugebiet Rheindahlen geht auf die Zielgerade. Im Herbst, nachdem auch die Beete bepflanzt werden konnten, soll Eröffnung gefeiert werden. Voraussichtlich Ende August werden die wesentlichen Bautätigkeiten auf dem Platz abgeschlossen – die Freigabe des Parkplatzes folgt nach einer für den Oberflächenbelag erforderlichen Ruhephase Mitte September. Ein Rundgang über eine Baustelle auf der Zielgeraden.
An einem heißen Montagnachmittag Mitte Juli hebt ein Bagger gerade die Metallelemente für zwei große Blumenbeete an Ort und Stelle. Die großen Pflanzbereiche sorgen nicht nur für Schatten und ansprechendes Grün, sie dienen zugleich als Trenner zwischen dem Parkplatz und dem Bereich an der Kirche. Noch wirkt der Cortenstahl der Beeteinfassungen dunkelsilbern bis anthrazit. Erst nach einiger Zeit wird er durch Verrostung seine aus anderen Stellen im Stadtbild bekannte, braune Optik erhalten.
Auch weitere Hochbeete werden rund um den Parkplatz angeordnet. Dank zahlreicher Stauden und 27 Spalierbäumen prägen die parkenden Autos künftig nicht mehr die Szenerie. Gleichzeitig wird es hier weiterhin kostenlose Stellplätze geben, 44 Stück, davon zwei mit E-Lademöglichkeit. 27 Fahrradbügel zu allen Seiten des Platzes ergänzen das Angebot.
Das Herzstück des neuen Platzes entsteht vor der Kirche
Eine besondere Bedeutung für das öffentliche Leben hat der Platzbereich vor der Kirche. Hier ist das Eingangstor zur Beecker Straße. Hier gib es ein lauschiges Plätzchen im Schatten unter den Platanen. Hier wird der Wochenmarkt stattfinden. Und hier wird vor den beiden großen Pflanzbereichen das „Stadtsofa“ entstehen – ein langgestreckter Sitzbereich, der einlädt, zu verweilen, den Blick auf die Kirche zu genießen oder das Treiben der Passanten und Marktbesucher zu beobachten. Insgesamt gehören zahlreiche Sitzgelegenheiten – etwa in Form von Rundbänken um Baumstämme – zum Konzept für den Mühlentorplatz, ebenso wie eine XXL-Leuchte an den Platanen und Bodenstrahler für indirekte Beleuchtung in ausgewählten Bereichen.
„Über sogenannte Unterflurverteiler haben wir die Leitungen vorbereitet, die die Marktbeschicker brauchen“, erklärt Jürgen Adams, Projektleiter bei der Stadtverwaltung, als er einige Meter von der Kirche entfernt an der Stelle steht, wo später der Wochenmarkt stattfinden wird. Adams führt an diesem Montagnachmittag zusammen mit seinem Bereichsleiter Reinhard Waschk und Pia Scheloske aus dem Arbeitsbereich Stadterneuerung über die Baustelle.
„Barrierefreiheit und Gestaltung mussten hier Hand in Hand gehen. Wir wollten das vorhandene Kopfsteinpflaster so weit wie möglich erhalten und gleichzeitig dafür sorgen, dass der Platz für alle gut nutzbar ist“, sagt Scheloske. Insgesamt war Barrierefreiheit in den Planungen ein großes Thema. Alle Stellen auf dem neugestalteten Platz sind über mindestens einen Weg barrierefrei erreichbar. Und selbst das Kleinsteinpflaster auf dem Marktplatz ist zumindest barrierearm und kann grundsätzlich ebenfalls mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen befahren werden.
„Mehr als ein Standard-Straßenbauprojekt“
Nicht alle Stellen, die optisch zueinander passen, konnten auch identisch hergestellt werden. So wird das Kleinsteinpflaster im Bereich des Wochenmarktes in ein Mörtelbett gesetzt, damit es die Lasten der Marktfahrzeuge aufnehmen kann. An anderen Stellen sind die Fugen desselben Pflasters mit Split verfüllt und damit unversiegelt. Auch die Fläche unter der Arkade an der Sparkasse musste trotz gleicher Pflastersteine bautechnisch anders hergestellt werden als zum Beispiel der Bereich direkt vor der Kirche. Denn unter die Arkaden gelangt kein Regen, durch den sich das Fugenmaterial nachträglich verfestigt.
Technische Details wie diese können beispielhaft dafür stehen, dass der Mühlentorplatz „mehr als ein Standard-Straßenbauprojekt“ ist, wie Projektleiter Adams es ausdrückt. Besonders anspruchsvoll ist die Maßnahme auch deshalb, weil der öffentliche Parkplatz auf dem Mühlentorplatz oberhalb der Sparkassen-Tiefgarage liegt. Die Decke der Garage wurde im Auftrag und auf Kosten der Sparkasse bei den Bauarbeiten neu abgedichtet. Im Innern der Tiefgarage sorgt derweil ein Dschungel aus Baustützen für Stabilität, damit die schweren Baufahrzeuge darauf fahren können. Die derzeit noch schwarze Asphaltfläche des Parkplatzes wird nach Auftrag der Deckschicht größtenteils hell sein, damit sie sich nicht zu stark aufheizt.
Zu einer Maßnahme der besonderen Art wird die Platzumgestaltung auch durch die Geschichte des Standorts. Nicht umsonst hatte die Verwaltung von Anfang an eine archäologische Baubegleitung eingeschaltet. Gleich mehrfach wurden im Verlauf des Projektes archäologische Funde gemacht und dokumentiert, etwa ein Luftschutzbunker an der nördlichen Seite des Parkplatzes, Knochen vor der St. Helena Kirche oder, erst Anfang Juli, ein Stück Mauerrest des alten Rathauses im Bereich vor der Apotheke.
Auf dem Endspurt der Baustelle soll nun zunächst der Bereich vor der Kirche und mit ihm der Durchgang zur Beecker Straße fertiggestellt werden. Zuletzt mussten diese Arbeiten aufgrund der hohen Temperaturen immer wieder unterbrochen werden, da das Mörtelbett zu schnell antrocknet. Anschließend kann der Platz vor der Apotheke angegangen werden, der ebenfalls ein großes Pflanzbeet und Sitzgelegenheiten erhält. Als vorerst letzte Teilstücke werden die Straße Am Mühlentor im Bereich vor der Volksbank neu gemacht und der Oberflächenbelag des Parkplatzes hergestellt. Wie schon im bisherigen Bauverlauf wird während der gesamten restlichen Bauphase der Zugang zu allen umliegenden Geschäften möglich bleiben. Den allerletzten Akt bilden in der Pflanzsaison im Herbst die Begrünungsarbeiten. Zahlreiche Stauden, Gräser und Bäume tragen zukünftig zu einer neuen Aufenthaltsqualität im Herzen Rheindahlens bei.
Über die Umgestaltung des Mühlentorplatzes
Die Umgestaltung des Mühlentorplatzes ist die größte Maßnahme aus dem Förderprogramm des Stadtumbaugebietes Rheindahlen. Weitere beispielhafte Maßnahmen aus dem Programm sind die bereits abgeschlossene Aufwertung der Beecker Straße, die Herstellung eines Historischen Rundwegs oder die noch geplante Aufwertung des Platzes am Kleinen Driesch. Baubeginn am Mühlentorplatz war im April 2025. Die Kosten von geschätzt 3,2 Millionen Euro werden zu 80 Prozent durch Landes- und Bundesmittel des Städtebauförderprogramms „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ bezuschusst.




