Städtepartner: Mediothek Krefeld und Stadtbibliothek Venlo

Seit mehr als einem Jahrhundert pflegen Menschen, Vereine und Vereinigungen aus Krefeld am Rhein und dem niederländischen Venlo an der Maas freundschaftliche Kontakte.

Krefeld – Was einst als private Nachbarschaft begann, hat sich zu einer vielfältigen Städtepartnerschaft entwickelt. Das passiert auf einer politischen Ebene, aber auch ganz praktisch im Alltag für die Menschen. Die Mediothek Krefeld und die Stadtbibliothek Venlo mit dem 2020 eingerichteten „Deutschland-Niederlande-Haus“ verkörpern ein solches Beispiel einer gelebten Städtepartnerschaft. Beide Institutionen arbeiten zusammen im kulturellem Bereich, im fachlichen Austausch, beim Thema Bildung und bei der Verständigung der Menschen über die Grenze hinweg.

Lesestoff in Venlo und Krefeld

Für die Nutzer beider Kultureinrichtungen ist der gegenseitige Buchaustausch wahrscheinlich der sichtbarste Teil dieser Kooperation. In Venlo wie in Krefeld stehen rund 50 Bücher in der jeweils anderen Landessprache zur Ausleihe bereit. Diese werden regelmäßig gewechselt, damit frischer Lesestoff vorhanden ist. Gleiches gilt für das Venloer Haus am Begijnengang 2 mit seiner festen Leserschaft für die deutschen Ausgaben. „Wir haben viele Stammleser, die auf den neuen Bestand warten und nachfragen, wann wieder neuer Lesestoff geliefert wird“, berichtet Kristine Günther, stellvertretende Leiterin der Mediothek Krefeld. Sie und Nina Krockow, Projektleiterin des Deutsch-Niederländischen Hauses in Venlo, bilden den persönlichen und „direkten Draht“ zwischen den Institutionen. Ein weiteres grenzüberschreitendes Projekt ist der Literarische Sommer, das deutsch-niederländische Literaturfestival, an dem sich beide Institute beteiligen. Dabei lesen Autoren und Autorinnen und Autoren aus den Nachbarländern in Venlo, Krefeld und anderen Orten zwischen Rhein und Maas aus ihren aktuellen Publikationen vor. Ein wichtiger Bestandteil der Zusammenarbeit ist jedoch auch der interne fachliche Austausch.

Seit einigen Jahren wandeln sich weltweit Bibliotheken zu lebendigen Zentren des Wissensaustauschs, in denen Lesen, Begegnung, Kreativität und digitale Ressourcen miteinander verschmelzen. Über die Ausleihe von Büchern hinaus bietet die moderne Bibliothek vielfältige Möglichkeiten: Raum für Zusammenarbeit, Zugang zu digitalen Ressourcen und eine offene Bühne für gemeinschaftliches Lernen. In Deutschland sind Bibliotheken daher als Dritter Ort bekannt. Die „Openbare Bibliotheek Venlo“ ist seit vielen Jahren ein solcher Ort der Begegnung. „In vier Jahren werden wir ein neues Gebäude in der Innenstadt erhalten“, sagt Geja Olijnsma, Leiterin der Stadtbibliothek Venlo. Dann werde man den Zielgruppen wie Familien und Studenten noch bessere räumliche Möglichkeiten bieten können. Denn soziale und zwischenmenschliche Aspekte gewinnen in beiden Städten immer mehr an Bedeutung in der alltäglichen Arbeit.

Unterschiedliche Bibliothekssysteme

Beide Länder vereinen die bildungspolitischen und sozialen Herausforderungen der Zeit. Doch die Bibliothekssysteme sind dabei ganz unterschiedlich organisiert. Und da stellt sich immer mal wieder die Frage: Wie machen es die Kollegen hinter der Grenze, um an vergleichbare Ziele zu gelangen? In den Niederlanden spiegeln die Bibliotheken beispielsweise ihre Bedarfe für Programme und Projekte an die Staatsregierung in Den Haag, die diese wiederum prüft und letztlich finanziert. Noch machen die Einrichtungen dies alleine oder in kleinen Verbünden. Gleichzeitig wächst die Bedeutung und landesweite Wahrnehmung der Bibliotheken innerhalb der Stadtgesellschaft als sozialpolitische Einrichtung – und damit auch die Anerkennung für diese Arbeit. „Unsere Lobby ist insgesamt besser geworden“, betont Olijnsma. Im kommenden Jahr soll es in den Niederlanden per Gesetz eine Vereinheitlichung der Aufgaben für die rund 130 Bibliotheken im Land geben. Damit soll die Arbeit vor Ort zugunsten der Menschen effizienter gestaltet werden. Ein solch vergleichbares „Bibliotheks-Gesetz“ gibt es in Deutschland bislang nur in Hessen. „Unsere Herausforderungen sind gleich, aber wir suchen uns unsere Aufgaben selbst aus und finanzieren sie über unser Budget. So macht das jedes Haus in Deutschland für sich“, erklärt Simon Hoffmann, Leiter der Mediothek Krefeld.

Beispiel für gesellschaftliche Aufgaben in niederländischen Bibliotheken

Ein Beispiel für gesellschaftliche Aufgaben in den niederländischen Bibliotheken ist die Vermittlung zu Themen rund um die Digitalisierung. „Das ist eine große Aufgabe der Bibliothek, die Menschen bei dieser Transformation zu unterstützen“, sagt Olijnsma. Die Menschen sollen an gesellschaftlichen Entwicklungen und Möglichkeiten partizipieren können. Diese Herausforderung ist einmal mehr größer, da im Raum Venlo rund 23 Prozent der Bevölkerung als funktionale Analphabeten gelten. Hier gilt es, die Menschen mit Sprachkompetenz und technischem Know-how auszustatten.

Die Themen Lesen und gesellschaftliche Teilhabe werden auch in der Mediothek Krefeld auf vielfältige Weise umgesetzt, angefangen bei den Kindern. „Wir haben zum Beispiel unsere Lesepaten, die mit Kindern arbeiten, um ihnen die Freude am Lesen zu vermitteln“, sagt Kristine Günther. Ein anderes Beispiel ist das Angebot „Einfach Deutsch“. Wöchentlich können sich Menschen mit Migrations- oder Flüchtlingshintergrund in der Mediothek treffen, um in Gesprächen ihre Sprachfähigkeiten zu stärken. Aus derartigen Ideen entwickeln sich so oft freiwillige, feste Angebote in der Mediothek. „Die Menschen möchten beispielsweise auch nicht mehr alleine lernen“, sagt Simon Hoffmann. Das sei erst ein Trend gewesen, der sich inzwischen verstetigt habe. Deswegen hat die Mediothek in den vergangenen Jahren die Anzahl der Buchregale reduziert zugunsten von Lernplätzen für Schülerinnen, Schüler und Studierende.

Sprache lernen bei Kaffee und Kuchen

Um die sprachliche Verständigung zwischen Niederländern und Deutschen zu unterstützen, bietet das „Duitsland-Niederlande-Huis“ ein besonderes Format an: „Kletsen met Kuchen“. Dabei treffen sich die Teilnehmenden in geselliger Runde. „Gemeinsam unterhalten wir uns auf Niederländisch und Deutsch und entspannen uns einfach. Kein Unterricht, aber nette Gespräche, kulturelle Fakten und natürlich Kaffee und Tee“, sagt Krockow. Die Runde beginnt ihre Nachmittage stets mit einem interaktiven Vortrag zu einem bestimmten Thema, beispielsweise zu kulturellen Unterschieden zwischen den Niederlanden und Deutschland. Das bildet den Ansatz, um ins Gespräch zu kommen – bei Bedarf auch mit Übersetzungshilfe. „Dies macht es für jeden einfach, egal ob man Anfänger oder Fortgeschrittener ist“, so Krockow. Und um ihr Niederländisch aufzubessern, sind natürlich gerade die Krefelderinnen und Krefelder nach Venlo eingeladen.

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