Krefeld – Dieser Schritt geht mit vielen Chancen für Kinder und Familien, aber auch mit vielen Herausforderungen für die Kommunen einher. Weil das Land noch keine gesetzlichen Ausführungsbestimmungen vorgelegt hat, haben im Dezember mehrere nordrhein-westfälische Städte, darunter auch Krefeld, bei den Verwaltungsgerichten geklagt. Sie kritisieren ausstehende Rechtsvorgaben, etwa zu Raumkonzepten, Personalbemessung oder Qualitätsstandards, und insbesondere die fehlende auskömmliche Finanzierung.
Schon seit Jahren treibt die Stadt Krefeld den Ausbau und die qualitative Fortentwicklung des Ganztagsangebots auch deshalb mit beträchtlichen kommunalen Anstrengungen voran. Sie stemmt einen hohen freiwilligen Eigenanteil und hat darüber hinaus eigene Qualitätsstandards entwickelt. Nun hat die Schulverwaltung erstmals den Status Quo des Offenen Ganztags in Krefeld in einen Bericht gefasst. Die systematische Bestandsaufnahme beleuchtet rechtliche und finanzielle Grundlagen, Träger- und Angebotsstrukturen, Betreuungsmodelle sowie Entwicklungsschritte aus hiesiger Perspektive. Ausgearbeitet hat den rund 50-seitigen Bericht Susanne Döhnert, die im Fachbereich Schule, Pädagogischer und Psychologischer Dienst für das Bildungsmonitoring zuständig ist.
„Bildung hat in dieser Stadt Top-Priorität“
Stadtdirektor und Bildungsdezernent Markus Schön sagt: „Unser aller Ziel ist es, das Bildungssystem in Krefeld kontinuierlich weiterzuentwickeln. Datenbasierte Grundlagen sind dabei äußerst wertvoll: Sie helfen allen involvierten Akteuren, aber auch bei künftigen bildungspolitischen Entscheidungen.“ Er betont: „Der OGS-Bericht stellt die intensiven Bemühungen für die Ganztagsbetreuung in Krefeld heraus. Trotz aller widrigen Rahmenbedingungen aufgrund fehlender landesrechtlicher Vorgaben haben wir hier mit einer Ausbauoffensive und dem Fokus auf die Qualitätsentwicklung in den vergangenen Jahren geliefert. Denn Bildung hat in dieser Stadt Top-Priorität.“
Konkret hebt der Stadtdirektor unter anderem auf den quantitativen Ausbau und die Finanzierung des Ganztags ab. Seit 2018 richtet die Stadt für ihre 31 Grundschulen und drei Förderschulen im Primarbereich jedes Jahr rund 375 neue Betreuungsplätze ein. Seither hat sich die Kapazität von 3.058 auf 5.487 Plätze sowie von 127 auf 227 Gruppen erhöht. Die Versorgungsquote wuchs damit von rund 29 auf 61 Prozent. Bis 2027 peilt die Stadt einen Wert von 68 Prozent an. Auch finanziell investiert Krefeld weitaus mehr, als es der Pflichtanteil von 3,17 Millionen Euro vorschreibt. Den städtischen Beitrag stockt die Verwaltung freiwillig mit 9,8 Millionen Euro auf. Das Gesamtvolumen zur Finanzierung des Ganztags stammt damit zu über der Hälfte aus kommunalen Mitteln.
Steuergruppe und Qualitätszirkel schaffen Grundlagen
Ein Schwerpunkt des OGS-Berichts liegt in der kooperativen Qualitätsentwicklung und -sicherung des Krefelder Ganztagsangebots. „Auch hier haben wir im engen Zusammenspiel mit den Schulen, der Jugendhilfe und den OGS-Trägern wesentliche kommunale Strukturen etablieren können“, erklärt Ellen Schönen, Leiterin des Fachbereichs Schule, Pädagogischer und Psychologischer Dienst. Schon seit 2012 erarbeiten in Krefeld die Steuergruppe sowie der Qualitätszirkel Offener Ganztag eigene Qualitätsstandards.
Die Steuergruppe forciert die strukturellen Rahmenbedingungen, setzt dazu beispielhaft mit Ideen und Maßnahmen für eine bedarfsgerechte Ausbauplanung, optimierte Personalanforderungen oder ein einheitliches Aufnahmeverfahren an. Der Qualitätszirkel konzentriert sich auf die pädagogische Konzeption, um ein hochwertiges Betreuungsangebot sicherzustellen. Regelmäßig tauschen sich hierfür Schulen und Träger des OGS-Angebots gemeinsam mit der Stadt und der Schulaufsicht aus. Beide Gremien gelten als wichtige Instrumente für einen professionellen und qualitativ starken Krefelder Ganztag. Auch die Systemische Schulbegleitung, der Ausbau der Schulsozialarbeit und eine eng verflochtene Kooperation mit den Kindertageseinrichtungen (Kitas) hätten sich, so eine Quintessenz aus dem OGS-Bericht, bewährt.
Ganztägige Betreuung erfordert räumlichen Mehrbedarf
Trotz vieler positiver Entwicklungen sieht sich der Offene Ganztag in Krefeld weiterhin Herausforderungen gegenüber, die auch die jetzt veröffentlichte Bestandsaufnahme aufführt. Neben der finanziellen Belastung betrifft das insbesondere die angespannte räumliche Situation. Die ganztägige Betreuung erfordert aufgrund der Mittagsverpflegung, Hausaufgabenbetreuung und Freizeitaktivitäten einen räumlichen Mehrbedarf, der über den des regulären Unterrichtsbetriebs hinausgeht. Obschon ein gewichtiger Teil des Investitionspakets „Krefeld macht Schule“ in den Bau und die Sanierung von Schulen mit rund 250 Millionen Euro seit 2018 in Küchen und Mensen geflossen ist, plant die Stadt weitere Maßnahmenpakete.




