Krefelder Nachfahren erhalten Dokumente von NS-Opfer

Es ist eine lange Reise, die nun in der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld ein Ende fand. Es ist die Geschichte von Robert Genenger, einem Opfer des Nationalsozialismus.

Krefeld – Das vorläufige letzte Kapitel seiner Geschichte begann mit der Ausstellung „Stolen Memory“ (Gestohlene Erinnerung) im vergangenen Herbst vor dem Rathaus auf dem Von-der-Leyen-Platz. In dem Geschichts-Container des Arolsen Archivs wurde auf sein Schicksal aufmerksam gemacht – mit der Hoffnung, dass sich Nachfahren melden. Denn im Arolsen Archiv befanden sich unter anderem sein Arbeitsbuch und Dokumente. Seine Großnichte Martha Stang und sein Großneffe August Genenger konnten nun diese letzten persönlichen Papiere entgegennehmen.

Haft in mehreren Konzentrationslagern

Robert Genenger wurde am 1. Januar 1887 in Krefeld geboren. Seine Eltern hießen Friedrich und Emilie. Die Kripo Berlin nahm den Dachdecker am 19. April 1941 wegen angeblicher „Arbeitsverweigerung“ fest. Nach fünfmonatiger Haft im Gefängnis in Berlin-Spandau wurde er ab September 1941 in „Schutzhaft“ festgehalten – ohne Gerichtsverfahren und unbefristet. Die SS deportierte ihn am 18. November 1941 in das Konzentrationslager Buchenwald, stempelte ihn als „Berufsverbrecher“ ab und teilte ihn der Strafkompanie zu. Im März 1942 transportierten die Nationalsozialisten Genenger zunächst in das KZ Ravensbrück, später in das KZ Sachsenhausen. Mitte November 1942 wurde er in das KZ Dachau überstellt, wo er die Häftlingsnummer 39743 erhielt.

Persönliche Gegenstände

Wer in ein Konzentrationslager der Nationalsozialisten gesperrt wurde, musste seine persönlichen Gegenstände abgeben. „Effekte“ nannten die Nazis dieses Eigentum, dass sie gut dokumentiert verwahrten. Nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckten die Alliierten solche Bestände, die nicht mehr allen NS-Opfern zurückgegeben werden konnten. Rund 2.500 dieser „Effekte“ befinden sich noch im nordhessischen Arolsen Archiv. Es nahm 1948 als „International Tracing Service“ seine europaweite Such- und Dokumentationsarbeit auf. Die Aufgabe des Arolsen Archivs besteht bis heute darin, die Familie und Verwandte der Menschen zu finden und ihnen diese Gegenstände zu übergeben. Dazu zählten auch Unterlagen von Robert Genenger. Es war im Archiv bekannt, dass er in Krefeld geboren wurde und er mindestens vier Konzentrationslager überlebte, darunter Buchenwald und Dachau. Robert Genenger überlebte die jahrelange unmenschliche Lagerhaft und gab Ende Mai 1945 gegenüber den Alliierten an, wieder in Berlin leben zu wollen.

Die beiden Nachfahren von Genenger erhielten nun den Entlassungsschein aus der Untersuchungshaft und das Arbeitsbuch ihres Großonkels. „Ich bin schon ein bisschen stolz auf ihn“, meinte August Genenger. „Wir wissen viel zu wenig über ihn, doch die Dokumente werden wir als Familie in Ehren behalten“, fügte seine Schwester Martha hinzu. Robert Genenger lebte nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetischen Besatzungszone und dann in der DDR. Seine Spur verliert sich zurzeit Anfang der 1960er-Jahre.

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