Erinnerung an die Deportation der Düsseldorfer Sinti

Die Mahn- und Gedenkstätte hat am Mittwoch, 15. Mai 2024, gemeinsam mit der Sinti-Union Düsseldorf bei einer Gedenkstunde an die erste große Deportation rheinischer Sinti und Roma erinnert.

Düsseldorf – Zunächst fand eine Kranzniederlegung und ein stilles Gedenken an der Figur „Ehra – Kind mit Ball“, am Alten Hafen, statt. Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller hielt dort gemeinsam mit den Vertretenden der Sinti einen Moment inne. Im Anschluss fand im Beatrice-Strauss-Zentrum der Mahn- und Gedenkstätte an der Marktstraße 2 die eigentliche Gedenkstunde statt. OB Dr. Keller sprach ein Grußwort und Wilhelm Mettbach von der Sinti-Union Düsseldorf hielt eine Gedenkansprache. Musikalisch begleitete das Traubeli-Reinhardt-Quartett die Veranstaltung.

Teil der Gedenkstunde war auch die Präsentation des neuen Buches der Mahn- und Gedenkstätte. Leiter Dr. Bastian Fleermann stellte das Werk „Ausgrenzung und Faszination. Sinti und Roma in Düsseldorf und im nördlichen Rheinland vom Spätmittelalter bis zum Ersten Weltkrieg“ vor. Historiker Dr. Helmut Rönz, Leiter des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte Bonn, ordnete das Buch historisch ein.

Geschichte der Sinti und Roma in Düsseldorf

„Das Buch ist der erste Teil einer umfassenden Geschichte der Sinti und Roma in unserer Stadt, der zweite Teil wird schwerpunktmäßig die Verfolgung während der NS-Herrschaft behandeln. Dieser zweite Band erscheint in den kommenden Jahren. Für die heute in Düsseldorf lebenden Sinti hat das Buch große Bedeutung. Es belegt ihre Existenz in der Stadt über Jahrhunderte hinweg“, sagte Bastian Fleermann.

Zunächst aber sei es wichtig zu zeigen, dass insbesondere die Sinti seit Jahrhunderten in Düsseldorf und im nördlichen Rheinland beheimatet waren und hier gelebt haben. Für Düsseldorf geht der älteste Beleg auf das Frühjahr 1454 zurück. Das Buch beginnt in seiner Darstellung an diesem Zeitpunkt und endet mit dem Ersten Weltkrieg.

Faszination, Koexistenz und Ausgrenzung: Nicht immer, aber sehr oft trafen die Sinti und die Roma auf Argwohn und Verachtung. Erstmals spürt eine Überblicksstudie dieser Minderheit und dem Umgang mit ihr über mehrere Jahrhunderte hinweg nach. Seit Mitte des 15. Jahrhunderts lebten Roma, Sinti und andere Völker, von der Mehrheitsgesellschaft zunächst als „Czygeiner“ bezeichnet, im nördlichen Rheinland. Die hier erstmals zusammengetragenen Quellen belegen neben Anfeindungen und Ausgrenzungen auch Phasen friedlicher Koexistenz und Zusammenarbeit. Sie zeichnen das Bild einer vielfältigen Minderheit, die sehr geschickte Überlebens- und Anpassungsstrategien entwickelte, um staatlicher Repression zu entgehen und sich in der Region zu behaupten.

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