Düsseldorf: Bundesverdienstkreuz für Dr. Jürgen Wilbert

Dr. Jürgen Wilbert ist am Dienstag, 16. April 2024, das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen worden.

Düsseldorf – Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller hat dem Düsseldorfer die Auszeichnung im Rahmen eines Empfangs im Rathaus der Landeshauptstadt überreicht.

Auszug aus der Vorschlagsbegründung: Die Herren Dr. Jürgen Wilbert und Dr. Friedemann Spicker haben beide aufgrund ihres langjähriges Engagements im kulturellen Bereich auszeichnungswürdige Verdienste erworben.

Herr Dr. Wilbert ist verheiratet und war bis zur Pensionierung als Leiter des Kulturamtes der Stadt Hattingen tätig. Herr Dr. Spicker – der in Königswinter ausgezeichnet worden ist – hat bis zum Ruhestand als freier Wissenschaftler und Lehrer in der Erwachsenenbildung gearbeitet.

Nach ihrem ersten Zusammentreffen auf dem ersten Aphoristiker-Treffen im Jahr 2004, das Herr Dr. Wilbert als Forum für den Austausch von Freunden und Freundinnen dieser Gattungs organisiert hatte, haben die beiden Aphoristiker, Autoren und Fachleute zusammengefunden und alle weiteren Aktivitäten und Vorhaben gemeinsam strukturiert und engagiert realisiert.

Die Aphoristiker-Treffen finden seitdem alle zwei Jahre in Hattingen statt – zu jeweils speziellen Leitthemen. Beide Herren schafften es aufgrund ihres rein ehrenamtlichen Engagements ein umfangreiches Archiv für diese Gattung in den Räumen des Stadtmuseums Hattingen aufzubauen. Schon 2005 begründeten sie das Deutsche Aphorismus-Archiv und sorgten dank guter Vernetzung dafür, dass die Aktvitiäten des DAphA (Deutsches Aphorismusachriv) auch weit über die Grenzen der Stadt Hattingen hinaus bekannt wurden und sich viele Anhänger dieser kleinsten Literaturgattung fanden. Herr Dr. Wilbert und Herr Dr. Spicker entwickelten mit viel Einsatz umfangreiche Publikationen, wie etwa „Der Aphorismus in Westfalen“, der unmittelbar einen Nachfolger zum Thema „Der Aphorismus im Rheinland“ nach sich zog und schließlich 2021 in der Neuerscheinung „Der Aphorismus in Europa“ mündete. Neben den regelmäßig veranstalteten und bis heute stattfindenden Aphoristiker-Treffen veranstalteten die beiden auch in den Zwischenjahren Aphorismus-Wettbewerbe, die ihrerseits zu weiteren Publikationen in dieser Gattung geführt haben. Denn der europaweite Aphoristiker-Wettbewerb wird mit einer dotierten Preisverleihung verbunden – erster Preis ist der sogenannte „Hattinger Igel“ – und Publikation der prämierten Aphorismen in Buchform.

Durch die Gründung des Fördervereins DAphA (Deutsches Aphorismusachriv) im Jahr 2005 mit inzwischen 100 Mitgliedern aus allen Teilen Deutschlands sowie aus Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Slowenien und vielen Literaturfreunden unter anderem in Polen, England und Italien ist Hattingen auch dort als Sitz des Deutschen Aphorismus-Archivs bekannt geworden. Herr Dr. Wilbert ist erster Vorsitzender des Vereins, Herr Spicker als Mitbegründer dessen zweiter Vorsitzender. Letzterer hat die Leitung des Archivs übernommen und die Präsenzbibliothek zusammengefasst; Herr Dr. Wilbert hat als erster Vorsitzender vorrangig die Ideen und Aktivitäten des Fördervereins erfolgreich realisiert. Durch den Verein als Träger wurde der Aufbau der Aphorismusbibliothek ermöglicht. Nach und nach entstand eine Sammlung mit Autorinnen und Autoren, die Aphorismen schreiben und Bücher, die sich mit dem Thema „Aphorismus“ literaturwissenschaftlich auseinandersetzen. Die Bibliothek enthält auch ein Archiv für ungedruckte Materialien und eine entsprechende Datenbank wurde entwickelt. Die Bibliothek ist eine Präsenzbibliothek. Sie sammelt Originalbestände, Gesamtausgaben mit aphoristischem Anteil und gebundene Kopien von nicht erhältlichen Exemplaren samt der zugehörigen Forschungsliteratur.

Mehrere hundert Autoren sind hier erfasst. Sie verfügt bisher über ca. 3.500 bibliothekarische Einheiten. Die unselbstständige Literatur ist in mehr als 50 Ordnern erfasst. Mittlerweile ist diese Sammlung aus Platzgründen seit wenigen Jahren ein Teil der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf geworden. Herr Dr. Wilbert veranstaltet jährlich wissenschaftliche Tagungen zur Aphorismusforschung, deren Ergebnisse ebenfalls als Tagungsbände publiziert werden, des Weiteren die jährliche DAphA-Depesche sowie ein Quiz. Angefangen von der Sponsorensuche, dem Einwerben von Spenden, den Vorbereitungen für Veranstaltungen, Wettbewerben und Lesungen, über die Leitung und Auswertung, die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern im Leistungskurs Deutsch in Schulen in Hattingen bis zu Publikationen und ihrer Herausgabe – Herr Dr. Wilbert war und ist, im Verbund und in Absprache mit Herrn Dr. Spicker, stets aktiv.

Herr Dr. Spicker gründete zudem 2014 zusammen mit seiner Frau Angelika die Aphorismus-Stiftung Spicker-Wendt unter dem Dach des Gymnasial- und Stiftungsfonds Köln. Ein besonderes Anliegen des Stifterehepaars ist die Förderung von Studierenden und Nachwuchswissenschaftlerinnen der Literaturwissenschaften mit speziellem Fokus auf dem Forschungsgebiet des Aphorismus und verwandter literarischer Kleinformen. Bei der Gründung der DAphA Bibliothek 2005 hatte Herr Dr. Spicker zudem in Form einer Sachspende sehr viele Bücher, Bände und Dokumente in das Archiv gebracht.

Als sachkundiger Bürger im Planungs- und Umweltausschuss der Stadt Königswinter engagiert sich Herr Dr. Spicker außerdem kommunalpolitisch und hier besonders für den Natur- und Klimaschutz. Er koordiniert seit mehr als zehn Jahren den Arbeitskreis Stadtentwicklung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Die kulturellen Verdienste von Herrn Dr. Wilbert und Herrn Dr. Spicker sind auch deshalb besonders beeindruckend, weil sie über all die Jahre nicht nur ehrenamtlich erfolgen, sondern ihr gemeinsames Engagement in Absprache stets reibungslos im Team funktioniert: Wenn der Eine nicht verfügbar war, übernahm der Andere die nicht aufzuschiebenden Aufgaben des jeweils anderen in großer Selbstverständlichkeit.

Dr. Jürgen Wilbert hat sich im Jan-Wellem-Saal des Rathauses für die Auszeichnung bedankt. Dabei zitierte er den polnischen Autor Stanisław Jerzy Lec (1909-1963), der ihn in seiner Jugend mit der Gattung in Berührung brachte: „Wer den Lorbeerkranz annimmt, verrät das Format seines Kopfes.“ und demonstrierte damit einen Aphorismus.

 

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