Lüdenscheid – Große sinfonische Tradition trifft auf eine spannende musikalische Wiederentdeckung: Mit ihrem Sinfoniekonzert stellt die Philharmonie Südwestfalen das Werk der Komponistin Emilie Mayer (1812–1883) in einen reizvollen Dialog mit Ludwig van Beethoven. Unter der Leitung von Sigiswald Kuijken erwartet das Publikum ein facettenreicher Konzertabend, der bekannte Hörgewohnheiten hinterfragt und neue Perspektiven auf die Musik des 19. Jahrhunderts eröffnet.
Emilie Mayer galt bereits zu Lebzeiten als „weiblicher Beethoven“. Trotz ihres außergewöhnlichen kompositorischen Talents geriet ihr Werk in den folgenden Generationen weitgehend in Vergessenheit.
Dabei entwickelte die Komponistin eine unverwechselbare musikalische Sprache, die klassische Formstrenge mit romantischer Ausdruckskraft verbindet. Das Konzert bietet Gelegenheit, diese eigenständige Stimme neu zu entdecken und ihre Musik im unmittelbaren Vergleich mit einem der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte zu erleben.
Den Auftakt bildet Mayers Ouvertüre Nr. 2 D-Dur. Mit kraftvoller musikalischer Geste und klarer formaler Struktur eröffnet sie das Programm und gibt einen ersten Einblick in die kompositorische Eigenständigkeit der Künstlerin.
Im Zentrum des ersten Konzertteils steht Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 8 F-Dur op. 93 auf dem Programm. Das 1812 vollendete Werk zeigt Beethoven von einer ebenso humorvollen wie experimentierfreudigen Seite. Hinter der scheinbaren Heiterkeit verbergen sich feinsinnige Ironie, rhythmische Raffinesse und überraschende Wendungen. Mit spielerischen Brüchen und pointierten Kontrasten lotet Beethoven die Möglichkeiten der klassischen Sinfonie neu aus und setzt sich zugleich auf originelle Weise mit der Tradition auseinander.
Nach der Pause rückt erneut Emilie Mayer in den Mittelpunkt: Ihre Sinfonie Nr. 7 f-Moll entfaltet die ganze Bandbreite romantischer Orchestermusik. Dramatische Zuspitzungen, lyrische Passagen und eine differenzierte Behandlung des Orchesters verbinden sich zu einem eindrucksvollen sinfonischen Werk. Die Gegenüberstellung mit Beethoven macht dabei nicht nur Gemeinsamkeiten und Unterschiede hörbar, sondern verdeutlicht vor allem Mayers kompositorische Eigenständigkeit.
Unter der Leitung von Sigiswald Kuijken verbindet die Philharmonie Südwestfalen die drei Werke zu einem Programm, das musikalische Entdeckungen und bekannte Meisterwerke gleichermaßen in den Blick nimmt. Das Konzert lädt dazu ein, vertraute Musik neu zu hören und zugleich eine bedeutende Komponistin kennenzulernen, deren Schaffen einen festen Platz im sinfonischen Repertoire verdient.




