Hanau – Auf 500 Quadratmetern sind multimedial herausragende Exponate der beiden Themenkreise „Hanauer Neustadt“ und „Papiertheatermuseum“ zu besichtigen. Besonders bedeutend ist eine Golddose um 1780/1785, die mit weiteren Kostbarkeiten in einer Sicherheitsvitrine präsentiert wird.
„Die ovale Schnupftabakdose stammt aus der Hanauer Goldschmiede Esaias Fernau (1743-1795). Umlaufend sind signierte purpurfarbene Landschaftsszenen in Emailmalerei von Ignaz Peter Krafft (Straßburg 1745 – Wien 1810) eingearbeitet“, berichtet Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen. Krafft zog um 1777 nach Hanau, heiratete die Tuchmachertochter Katharina Donné und lehrte an der Hanauer Zeichenakademie. Sohn Johann Peter Krafft (1780-1856), an der Zeichenakademie ausgebildet, reussierte später als Historien-, Porträt- sowie Genremaler und war Direktor der kaiserlichen Gemäldesammlung am Belvédère in Wien.
Über die Bedeutung der Golddose, die mit Hilfe des Fördervereins Freunde und Förderer des Historischen Museums Hanau Schloss Philippsruhe auf einer Auktion erworben werden konnte, hat vor allem Dr. Lorenz Seelig / München geforscht. Er schreibt: „Ignaz Peter Krafft war ein hochbedeutender Künstler innerhalb der Hanauer Luxusgüterproduktion. Als einer der wenigen namentlich erfassbaren Emailmaler dieser Epoche prägte er das künstlerische Niveau und die Ästhetik der Hanauer Golddosen entscheidend mit. Seine Aufnahme in die Zeichenakademie belegt seine hohe fachliche und künstlerische Autorität. Seine Werke zeigen die Verbindung von technischem Können, stilistischer Klarheit und einem feinsinnigen Gespür für Komposition und Farbe. Zugleich steht er beispielhaft für das Netzwerk hugenottisch-frankophiler Handwerker, das Hanau im 18. Jahrhundert zu einem hoch spezialisierten Zentrum für Galanteriewaren machte. (…) Die Goldtabatière dokumentiert den hohen Stellenwert Hanaus als Ausbildungsstätte durch die Zeichenakademie sowie als Produktionsstandort und als europäisches Drehkreuz von internationalem Rang für Kunstaustausch, -ausbildung und -produktion. Ignaz Peter Krafft ist als hochqualifizierter Emailmaler von europäischem Rang einzuordnen. Seine Werke zeugen von herausragender handwerklicher Qualität und kultureller Verortung im klassizistisch geprägten Spätrokoko. Als Lehrer an der Hanauer Zeichenakademie und als eigenständiger Künstler leistete Krafft einen unverzichtbaren Beitrag zur Blüte der Hanauer Bijouterieproduktion im 18. Jahrhundert. Seine Rezeption verdient daher sowohl kunsthistorisch als auch kulturgeschichtlich erhöhte Aufmerksamkeit. Bis dato sind ein gutes Dutzend Goldtabatièren mit Emailmalereien von Ignaz Peter Krafft bekannt, die sich aufgrund ihrer hohen Qualität durchweg in großen musealen Sammlungen, darunter dem Louvre, Paris befinden.“
Doch muss man nicht nach Paris, London oder Amsterdam reisen, um Hanauer Galanteriewaren zu besichtigen. Bewundern kann man sie in der neuen Ausstellung „Hanauer Neustadt“ im Historische Museum Hanau Schloss Philippsruhe (www.museen-hanau.de)




