Krefeld: Ausstellung mit Werken von Doris Grünwald und Gisela Fischer

Die Ausstellung in der Galerie „Prettyland", Südwall 55, ist von Freitag, 16. Januar, bis Freitag, 27. Februar 2026, zu sehen.

Krefeld – Zwei Zimmer, Küche, Diele, Bad und die Frage: „Was gibt es um uns?“ – diese Frage wurde zur Triebfeder des Krefelder Künstlerinnen-Duos Gisela „Gilla“ Fischer, Jahrgang 1951, und der verstorbenen Doris Grünwald (1953-2023). „Unsere Arbeit hat aus der Kreativität unserer Freundschaft begonnen. Da waren wir noch junge Frauen“, sagt Fischer. Zwei Jahrzehnte währte diese Zusammenarbeit an. Die Frauen entdeckten ihre Themen in ihrem unmittelbaren Umfeld. Die Umsetzung gestalteten sie auf so vielfältige Weise: mit Performance, Videokunst, Collagen, Bildern, Installationen und Fotografie, mal witzig, mal ernst, mal politisch oder poetisch. Dieses reichhaltige, künstlerische Schaffen haben nun in der Galerie „Prettyland“ am Südwall 55 Gilla Fischer und Jürgen Grünauer, der Ehemann von Doris Grünwald, zu der Retrospektive „2 ZKDB“ zusammengestellt – auf drei Etagen in acht Räumen. Das Kulturbüro der Stadt Krefeld hat die Ausstellung unterstützt.

Vorbilder und Interpretationen

Die Zusammenarbeit der beiden Künstlerinnen bestand aus einer stetigen Auseinandersetzung mit „Vorbildern“, sei es kunsthistorischer, gesellschaftlicher Art, oder alltäglichen Themen. Als ein solches „Vorbild“ aus dem 16. Jahrhundert diente ein Gemälde, dass Gabrielle D’Estrees, eine Mätresse des französischen Königs Heinrich IV., und eine ihrer Schwestern im Bad porträtiert. Das Duo Gilla und Doris interpretierten auf amüsante Weise diese Vorlage: Sie sitzen in einer aus Tüchern geformten Wanne, ihre Hauben aus Rasierschaum ausgesprayt. „Wir benutzten nur, was man im Alltag findet, also in der Wohnung“, so Fischer. In einem Raum auf der zweiten Etage hängt eine Pressefotografie. Zu sehen sind alte Menschen aus dem japanischen Fukushima, wartend in einer Turnhalle nach einem zerstörerischen Tsunami, einer Flutwelle. Diese Aufnahme veranlasste die Künstlerinnen 2012 zu einer Werkgruppe mit dem Titel „und da saß ich in viel zu dünnem Gewand“. „Wir haben über die Caritas getragene Blusen und Herrenhemden besorgt“, erzählt Fischer. Diese haben sie zusammengenäht, sind hineingeschlüpft und haben sie so zu einer lebendigen Skulptur gemacht. Auch in diesem Raum sind farbige Keilrahmen gestapelt. Sie sollen an das berühmte Gemälde des Romantikers Caspar David Friedrich erinnern, das verkeilte Eisschollen zeigt. In der dritten Etage findet sich eine Arbeit, die im Rahmen des Südganges 2003 entstanden ist: eine Expedition durch den Krefelder Süden, eine „Südpolexpedition“. Dabei haben sie teilnehmende Ateliers besucht, fotografiert und „Proben“ aus den Ateliers genommen.

Seit 2003 arbeitete das Künstlerinnen-Duo „Doris und Gilla“ oder „2 ZKDB“ zusammen: Doris Grünwald studierte Kunst, Soziologie und Architektur, Gisela Fischer hat Sozialpädagogik studiert und ist gelernte Siebdruckerin. Drei Jahre nach dem Tod von Doris Grünwald haben ihr Mann und ihre Freundin eine abwechslungsreiche und sehenswerte Ausstellung kuratiert. Den idealtypischen Rahmen haben sie in den Galerie-Räumen des Hauses am Südwall 55 gefunden (nicht barrierefrei). Ihr gemeinsamer Wunsch war, eine Auswahl von Arbeiten aus den vergangenen zwei Jahrzehnten der Öffentlichkeit zu präsentieren und damit an Doris Grünwald zu erinnern. „Ich habe meine Frau zutiefst geliebt. Wir waren 53 Jahre zusammen“, sagt Grünauer.  Die Öffnungszeiten sind Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr, Mittwoch und Freitag von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 0 17 74 30 76 29.

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