Ausstellung im Würzburger Rathaus eröffnet

Die Ausstellung "Weltkunst aus Tansania - mehr als Tingatinga!" ist bis 25. Februar 2026 im Oberen Foyer des Würzburger Rathauses zu sehen.

Würzburg – Oberbürgermeister Martin Heilig eröffnete die Ausstellung im Oberen Foyer des Rathauses vor gut 80 Gästen mit der Aussage: „Immer wieder fasziniert mich die Vielfalt der Verbindungen, die zwischen Würzburg und Tansania existieren.“ Als Beispiele nannte er die Städtepartnerschaft mit Mwanza, deren 60. Jubiläum dieses Jahr begangen wird. „Vor 15 Jahren ist daraus zusätzlich eine Klimapartnerschaft hervorgegangen“, freute sich der Oberbürgermeister.

Neben den städtischen Beziehungen macht sich der Verein M.W.A.N.Z.A. e.V. seit nunmehr 26 Jahren auf vielfältige Weise für Menschen und Projekte stark – viele davon sind kultureller Natur, wie diese Ausstellung. Die ausgeprägte medizinische Zusammenarbeit zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Instituten und Kliniken wird vor allem durch das Else Kröner Center Würzburg-Mwanza gebündelt und vorangetrieben. Das Kompetenzzentrum Afrika ist dem wissenschaftlichen und interdisziplinären Austausch verpflichtet. Nicht zuletzt spielen die Kirchen eine bedeutende Rolle beim Ausbau der Beziehungen mit Tansania: so sind die Diözesen Würzburg und Mbinga partnerschaftlich verbunden, und seit 1992 auch das evangelische Dekanat Würzburg mit der Diözese Ruvuma.

In diesem Monat ist die Stadt Würzburg Gastgeber für die Ausstellung „Weltkunst aus Tansania – mehr als Tingatinga!“ des Projekts tanzaniart.de. Es fördert zeitgenössische tansanische Künstlerinnen und Künstler und zeigt in repräsentativer Weise ausdrucksstarke Gemälde von 28 jungen wie älteren tansanischen Meisterinnen und Meistern, die sich seit der Souveränitätserlangung des Landes im Jahr 1961 durch Malerei künstlerisch ausdrücken.

Die Werke interpretieren Szenen aus dem Kolonialismus, zeichnen lebendige Portraits oder geben Einblicke in den tansanischen Alltag und die vielfältigen Kulturen, und nicht zuletzt spiegeln sie die aktuellen turbulenten politischen Verhältnisse in Tansania wider.

Die Werke regen zum Nachdenken an, und brechen mit möglicherweise existierenden Auffassungen afrikanischer Kunst. Der Titel der Ausstellung „Weltkunst aus Tansania – mehr als Tingatinga!“ verdeutlicht die Absicht der Kollektion, simplifizierenden Vorstellungen entgegenzuwirken.

In seinem Einführungsvortrag „Wie naiv!“ spannte der Kurator Fritz Gleiß einen Bogen von der naiven, besonders unter Touristen populären Designkunst, für die Tansania bekannt ist, zum Wahrnehmen und Denken in kolonialen Mustern. „Populär und naiv sind die in jeder Touristengegend angebotenen Designwerke aus der Schule des vor über 50 Jahren verstorbenen Malers Edward Tingatinga. Kunst aus Tansania ist seither fast durchgängig und untrennbar mit seinem Namen assoziiert und mit eben diesem einen Begriff: naiv. Die Dekolonialisierung unserer Wahrnehmung hinkt hier bis heute ganz erheblich hinterher“, so Gleiß.

Die in Würzburg gezeigten rund 50 Werke tansanischer Meisterinnen und Meister – darunter drei Teilnehmer an der letzten Biennale in Venedig: Happy Robert, Haji Chilonga und Lute Mwakisopile sowie Tansanias „Picasso“ Raza Mohammed, der „Rembrandt“ des Landes, Muzu Sulemanji, und der kolonialkritische „Hieronymus Bosch“ des Landes, Mikidadi Bush – machen deutlich, dass die Kunstszene des Landes ähnlich breit aufgestellt und international beeinflusst ist wie es die 120 dortigen Sprachen und Kulturen vermuten lassen. Die Motive reichen von der vorkolonialen Zeit bis in den heutigen Alltag. „Mit den 28 vertretenen Malerinnen und Malern stellt sich im Würzburger Rathaus die Elite der zeitgenössischen Malerei Tansanias vor, die nicht unter Tingatinga oder naiver Malerei zu subsumieren ist“, erläutert Kurator Fritz Gleiß.

„Die Ausstellung umfasst Werke aus drei Künstlergenerationen, bis hin zur Generation Z, die ganz am Anfang ihrer Karriere steht. Ihnen allen gemein ist, dass sie meist von der Hand in den Mund leben, mehreren Jobs nachgehen und darauf hoffen, durch den Verkauf ihrer Werke ihren Lebensunterhalt zu sichern und künstlerische Freiheit zu gewinnen.“

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