Braunschweig – Die Erklärung der amerikanischen Unabhängigkeit jährte sich 2026 zum 250. Mal. Mit diesem Ereignis verbunden war eine militärische Auseinandersetzung, die von 1775 bis 1783 währte. Auf der Seite der Briten kämpften Braunschweiger und andere deutsche Hilfstruppen sowie indigene Krieger, die zeitweise als Alliierte von Kanada aus agierten. Hiervon zeugen heute noch rund 85 indigene Objekte, die in deutschen Sammlungen überdauert haben.
Der Ausstellungstitel verweist einerseits auf den militärischen Einsatz Braunschweiger Soldaten an der Seite indigener Krieger, andererseits auf die weltweit einzigartige zeremoniell bemalte Trommel aus der Sammlung des Städtischen Museums, die Ausgangspunkt der Ausstellung war. Erläutert und situiert wird die Trommel in der Schau vor allem aus indigener Perspektive. Aus indigener Sicht gilt die Trommel als lebendiges Wesen, dem bis heute Opfergaben dargebracht werden.
Zu sehen sind auch Objekte mit kunstvollen Stickereien aus Elchhaar mit Verzierungstechniken aus dem 18. Jahrhundert, die erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt wurden. Weitere Ausstellungsstücke inspirierten nach rund 250 Jahren einen indigenen Projektpartner dazu, Motive nachzuarbeiten und in die heutige indigene Kunst einzubringen. Die Ausstellung zeigt auch, wie die Kulturen der indigenen Gruppen und der Missionarsstationen einander gegenseitig befruchteten.
Die Ausstellung „Tomahawk und Trommel – Indigene Andenken aus der Zeit der Amerikanischen Revolution in Deutschland“, die dank der großzügigen Förderung durch die Terra Foundation for American Art realisiert werden konnte, entstand im Dialog mit Nachfahren der einst am Krieg beteiligten indigenen Gruppen. Dies bewirkte auch einen neuen Blick auf die teilweise einzigartigen Objekte. An der Ausstellung beteiligt sind das Ganondagan State Historic Site and Seneca Art & Culture Center, das Kanien‘kehá:ka Onkwawén:na Raotitióhkwa Language & Cultural Center, das Musée Huron-Wendat sowie die Ojibwe Cultural Foundation.
Der Direktor von Ganondagan State Historic Site, Michael Galban, ein entscheidender indigener Unterstützer des Projekts, kommentiert die Ausstellung folgendermaßen: „Über die Beziehungen zu sprechen, die deutsche Offiziere und Soldaten zu den Ureinwohnern Nordamerikas aufgebaut haben …, hilft nicht nur den indigenen Völkern, diesen Teil ihrer Geschichte besser zu verstehen und diese Objekte oder „Vorfahren“ zu schätzen … [Es geht] auch darum, dass die Deutschen erkennen, [was] vor 250 Jahren geschehen ist … [und dass] immer noch Beziehungen [auf dieser Grundlage] geknüpft werden. Durch gegenseitiges Verständnis kann … Heilung stattfinden.“
Die Ausstellung „Tomahawk und Trommel – Indigene Andenken aus der Zeit der Amerikanischen Revolution in Deutschland“ wurde am Sonntag, 8. November, im Haus am Löwenwall eröffnet.




