„Das innere Gesicht auf Reisen“ im Maxhaus Düsseldorf

Das Maxhaus widmet dem Düsseldorfer Künstler, Arzt und Psychotherapeuten Adolf Bierbrauer eine Ausstellung, die einen besonderen Blick auf die Verbindung von Kunst und Psychotherapie eröffnet. Unter dem Titel „Das innere Gesicht auf Reisen“ werden ausgewählte „Hypnosebilder“ sowie spätere großformatige Gemälde des Künstlers gezeigt. Die Ausstellung wird am Donnerstag, 1. Oktober 2026, um 19:00 Uhr mit einer Vernissage eröffnet.
Adolf Bierbrauers Werk ist, obgleich umfangreich, vielen noch wenig bekannt. Es ist bedeutend, entfaltet aber seinen Gehalt eher parallel zur Kunstwelt, statt sich in ihrem Zentrum einen Platz erobern zu wollen. Das liegt vor allem an Bierbrauer selbst, dessen therapeutische Praxis ihn über viele Jahre vorrangig in Anspruch nahm. Sein anthroposophisch-philosophisches Menschenbild, das er in einem Prozess steter schöpferischer Arbeit erweiterte, stellte den Menschen an erste Stelle und die Kunst an seine Seite. Das ist weder metaphorisch noch theoretisch gemeint, sondern während der Behandlung seiner Patienten therapeutisch von ihm praktiziert worden. Als Arzt und Psychotherapeut setzte er in seiner Behandlung in den 50er Jahren unter anderem auf Hypnose – als Alternative zu der damals verbreiteten Elektroschocktherapie. Während der Hypnosesitzungen brachte er das, was ihm seine Patientinnen und Patienten anvertrauten, auf Schreibmaschinenblätter mit Gouachefarben malerisch zu Papier. Anhand dieser Blätter war es ihm später möglich, die Traumbilder mit den Patienten, die zumeist unter Depressionen und Angststörungen litten, zu besprechen.
Die „Hypnosebilder“ bilden das Zentrum dieser Ausstellung. Sie befinden sich an der Schnittstelle zwischen Arzt und Patient, zwischen Traum und Realität, auch zwischen Kunstwerk und Therapeutikum. Sie sind mit ihrem vielfältigen Bedeutungsgehalt völlig einzigartig und bieten unerwartete Blicke in den seelischen Urgrund und seine Kraft, auch in großer Bedrängnis, in Bildern zu sprechen.
Den kleinformatigen Gouachen stehen in dieser Ausstellung großformatige Malereien gegenüber, die Bierbrauer, lange schon nicht mehr als Arzt tätig, in den späten 90er Jahren schuf. Sie kontrastieren mit den traumhaft weichen, bei aller Intensität auch stillen Hypnosebildern. Der Künstler selbst nennt diese Bilder die „Somnambulen“, also Schlafwandlerischen. Auch in diesen lässt er sich konsequent in ein schöpferisches Ur-Gebräu fallen, wie in einen alchemistischen Tiegel und streift alle gegenständlichen Ordnungssysteme ab, um in die eigenen seelischen Landschaften vorzudringen.
Die Ausstellung „Das innere Gesicht auf Reisen“ ist vom 1. Oktober 2026 bis zum 23. Januar 2027 in der Galerie des Maxhauses im 1. Obergeschoss zu sehen.
