Lippstadt – Die teils autobiografisch geprägten Geschichten des Romans, in dem Jenny Erpenbeck ihre Kindheitserinnerungen bei ihren Großeltern auf einem Grundstück am Scharmützelsee in Brandenburg verarbeitet hat, umspannen den Zeitraum von 1906 bis 2002. Von der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus und den Aufbau der DDR bis hin zur Wiedervereinigung.
Jenny Erpenbeck gelang mit „Heimsuchung“, das in einer Inszenierung des WLT Castrop-Rauxel am Donnerstag, 24. September 2026, um 19:00 Uhr im Stadttheater zu sehen sein wird, der internationale Durchbruch; als erste deutsche Autorin wurde sie zudem mit dem International Booker Prize ausgezeichnet. Da der Roman zentraler Bestandteil des Abiturs 2027 und 2028 ist, nimmt das Stück eine besondere Bedeutung für das junge Publikum ein.
Für Regisseur Nico Dietrich, der aus Brandenburg an der Havel stammt, ist das Stück auch eine persönliche Auseinandersetzung mit der Geschichte, denn er hat die Zeitenwenden der letzten Kapitel selbst durchlebt und es gibt für ihn viele persönliche, teils traurige Parallelen. Er hat erfahren, wie einschneidend gesellschaftliche Umbrüche auf Familien und Biografien wirken.
Die Bühnenfassung orientiert sich eng an der Sprache Erpenbecks und strebt danach, die Erzähldichte des Romans erlebbar zu machen. Während verschiedene Charaktere – vom Großbauern über den Architekten bis hin zur kommunistischen Schriftstellerin – durch die Jahrzehnte führen, bildet der Gärtner die einzige Konstante. Er verkörpert den Einklang mit der Natur, während um ihn herum die Kämpfe um das Haus toben.




