Jazz-Matinee im Nicolaiviertel in Unna

Seit über 30 Jahren gibt es bereits die Komponistinnen-Konzertreihe im Nicolaihaus.

Unna – Dass ein Konzert aber auf dem Vorplatz stattfindet, dazu noch als Open-Air zur Summertime-Reihe, das ist ein absolutes Novum. „Die Idee war von Anfang an, dass wir die tolle Atmosphäre im Nicolaiviertel für einen experimentelleren Act nutzen,“ erklärt Sebastian Eck, Leiter des Kulturbüros der Kreisstadt.

Dieses besondere Programm, das ist an diesem Sonntag die Saxophonistin und Komponistin Inga Rothammel, die in ihren Jazz-Kompositionen für Quintett besondere Soundeffekte und Instrumentalfarben mixt. Denn ihre Band Lavandula ist mit ihr als virtuose Frontfrau sicherlich keine traditionelle Jazz-Kombo nach dem Schema F: Die Bratschistin Margarita Rumyantseva, Tabea Hörsch (Violoncello), Stephan Goldbach (Kontrabass) und Schlagzeuger Hendrik Eichler beherrschen ihre Instrumente allesamt virtuos ‒ und zwar insbesondere im klanglich-atmosphärischen Zusammenspiel.

Die Kompositionen Rothammels verbinden dabei geräuschhafte und evokative Soundkulissen durch ungewöhnliche Spieltechniken mit schwindelerregenden, improvisierten Solos: Dass Cello und Bratsche wie Möwenrufe klingen können und den Zuhörern damit regelrecht den letzten Strandurlaub wieder in Erinnerung rufen können, hätte sicherlich niemand erwartet. Gerade solche Momente des Konzerts waren nahezu magisch. Auch das dramaturgisch geschickt eingesetzte Unisono beherrscht die Gruppe mit rhythmischem Drive. Ihre ausgefallenen Kompositionen haben Rothammel inzwischen einen gewissen Ruf in Kennerkreisen verschafft, was sich an ihren prämierten Albumproduktionen und zahllosen Festival-Auftritten zeigt, wie zuletzt vom Essener Peng!-Festival. Bei bestem Sommerwetter genoss das Unnaer Publikum sichtbar diese außergewöhnliche und sentimentale Klangreise, die ihnen das Ensemble darbot.

xity.de
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