Mönchengladbach – Ob ausverkaufte Heimspiele der Borussia, Konzerte angesagter Bands oder internationale Großereignisse wie die Hockey-Europameisterschaft – in den Mönchengladbacher Nordpark kommen regelmäßig zehntausende Menschen zu Sport- und Musikveranstaltungen. Auf den Zufahrtsstraßen und Parkplätzen wird es dann entsprechend voll, es kommt zu Rückstaus und Wartezeiten. Mithilfe von Sensoren möchte die Stadt diese Verkehrsflüsse besser verstehen – und perspektivisch gezielter lenken.
„An dem Punkt, konkrete Maßnahmen für die Verkehrssteuerung abzuleiten, sind wir noch nicht“, erklärt Marcel Heynckes aus dem Smart City Programm der Stadt Mönchengladbach bei einem Rundgang durch den Nordpark. Vielmehr wurde in den vergangenen Jahren die Messtechnik in mehreren Etappen aufgebaut, um ein immer umfassenderes Bild der Verkehrsströme erfassen zu können. In den nächsten Jahren heißt es erst einmal: Daten sammeln, analysieren, miteinander vergleichen und so Schritt für Schritt Erkenntnisse gewinnen.
Am Wochenende nach dem Rundgang steht für Borussia Mönchengladbach ein Heimspiel gegen Union Berlin an. Es ist das erste Märzwochenende, Frühlingswetter ist angekündigt. In der Vorsaison kam Union Berlin im September, das Wetter war vergleichbar. Dass Heynckes bei seinem Rundgang über diese Dinge spricht, zeigt, wie viele Faktoren Einfluss auf die Verkehrsentwicklung haben können: Welcher Verein kommt zu Besuch? Wie reisen die Fans an? Welche Auswirkungen haben Jahreszeit und Wetter? Hinzu kommen spontane Ereignisse wie Unfälle.
Gemessen wird in der Straße und hoch in der Luft
Den ersten Schritt zur Verkehrserfassung im Nordpark bilden klassische „Car Counter“ der Firma NWave – tellerförmige, in den Boden eingelassene Sensoren, die zählen, wie oft über sie hinweg gefahren wird. Inzwischen sind 150 Stück von ihnen im Nordpark verteilt. Bei der genauen Positionierung habe man auch mal Lehrgeld zahlen müssen, verrät Heynckes, und zeigt auf einen Sensor im Zufahrtsbereich des P4. Wie zum Beweis kommt just in diesem Moment ein Autofahrer, biegt nach rechts in Richtung Schranke, wendet dann aber in einem großen Bogen. Der Sensor hat die Überfahrt allerdings bereits registriert und zählt ihn als Parker.
Und noch eine weitere Unschärfe bringen die „Car Counter“ mit sich. Sie unterscheiden nicht zwischen Fahrzeugtypen. Auf dem P4, wo es auch für Busse und Wohnmobile einen Stellplatzbereich gibt, wurde deshalb zusätzlich eine Kamera installiert, die mithilfe von KI die Fahrzeuge klassifiziert und dann den richtigen Wert an die Datenplattform der Stadt funkt.
Neben dem motorisierten Verkehr sind für ein umfassendes Bild auch die Bewegungsströme von Fußgängerinnen und Radfahrern von Interesse. In einer weiteren Ausbaustufe sind in Zusammenarbeit mit der Mönchengladbacher Sensor GmbH deshalb mehr als 20 Infrarotsensoren an Masten installiert worden. Sie zählen nicht nur Individuen, sondern erfassen auch, woher diese kommen und wohin sie gehen oder fahren. Die Infrarottechnik sorgt dafür, dass Personen nicht erkennbar sind und der Datenschutz gewahrt wird. Ähnlich einer Wärmebildkamera erfassen die Sensoren eher schemenhaft Konturen und Formen.
Nur die ausgewerteten Daten werden vom Sensor gesendet
Das erfasste Bild werten die Sensoren direkt vor Ort aus. Mithilfe der integrierten SIM-Karte funken sie nur die wesentlichen Informationen an die urbane Datenplattform, also etwa Anzahl der Individuen, Bewegungsrichtung, Fortbewegungsmittel. Diese Vor-Ort-Auswertung ist nicht nur ein weiterer Vorteil in Sachen Datenschutz, sie ist auch technisch sinnvoll. Denn die Datenmengen, die übertragen werden müssen, sinken so um ein Vielfaches. Und damit können sie über das LoRaWAN-Netzwerk übertragen werden, das die Stadt im Rahmen ihres Smart City Programms aufgebaut hat. Der Funkstandard ist darauf spezialisiert, überschaubare Datenmengen sehr energieeffizient über große Distanzen zu übertragen. Damit der Transfer funktioniert, sieht man im Nordpark neben den Sensoren auch LoRaWAN-Funkstationen – manchmal sogar am selben Mast.
Auch wenn konkrete Maßnahmen zur datengestützten Verkehrssteuerung noch in der Zukunft liegen – genutzt werden die Informationen schon heute. So fließen sie etwa in die Lagebesprechung bei Borussia-Spielen mit ein, zusammen mit Informationen des Vereins, der Sicherheits- und Rettungskräfte. Auch für die perspektivische Weiterentwicklung sei man mit allen Akteuren im Gespräch, betont Heynckes. „Egal ob Feuerwehr, Ordnungsamt, Polizei – wir sind im Austausch, welche Daten für die einzelnen Verantwortungsbereiche hilfreich sein können.“ Ein weiteres Sensorprojekt an der Schnittstelle zwischen Verkehrserfassung und Sicherheit gibt es bereits: Vor dem Gästebereich in der Südkurve zählen Sensoren mithilfe von Laserscannern, wie viele Personen sich hier aufhalten. So können Menschenmengen erkannt, gelenkt und die Sicherheit erhöht werden.




