Hanau – Mit dem geplanten Neubau am Schulzentrum Hessen-Homburg im Stadtteil Lamboy-Tümpelgarten und der Weiterentwicklung zur neunzügigen Kooperativen Gesamtschule (KGS) mit gymnasialer Oberstufe erhält der Schulstandort im Norden der Stadt eine neue Perspektive: inhaltlich und namentlich. Im Zuge der strukturellen Erweiterung soll sich auch der Name der Schule ändern. Dazu plant die Stadt jetzt ein Beteiligungsverfahren, in das insbesondere auch die Schülerinnen und Schüler eingebunden werden.
„Mit der Umwandlung zur neunzügigen Kooperativen Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe schaffen wir ein durchgängiges Bildungsangebot bis zum Abitur und stärken den Schulstandort nachhaltig“, sagt Bürgermeister und Schuldezernent Dr. Maximilian Bieri. „Das ist ein wichtiger Baustein unserer langfristigen Schulentwicklungsplanung und ein klares Signal an Schülerinnen, Schüler und Eltern: Hanau investiert konsequent in moderne und leistungsfähige Bildungsstrukturen.“
Parallel zur baulichen und pädagogischen Weiterentwicklung steht nun auch die Umbenennung der Schule an. „Die Umbenennung ist für mich kein Etikett, sondern ein sichtbares Zeichen für die Weiterentwicklung dieses Standorts. Mit dem Ausbau zur dreigliedrigen kooperativen Gesamtschule mit Haupt-, Real- und Gymnasialzweig entsteht ein Angebot, das unterschiedliche Bildungswege unter einem Dach verbindet“, so der Schuldezernent. „Der neue Name soll dieses Profil widerspiegeln und der Schulgemeinde Orientierung und Identifikation geben.“
Im Zuge dieser organisatorischen und pädagogischen Erweiterung bot sich zugleich die Gelegenheit, auch die bisherige Namensgebung kritisch zu hinterfragen. Denn die Bezeichnung „Hessen-Homburg“ geht auf die frühere Hessen-Homburg-Kaserne am Standort zurück: In der Zeit der nationalsozialistischen Militarisierung erhielten per Führererlass zahlreiche Kasernen im Deutschen Reich erstmals Eigennamen – nicht mehr nach Regimentern oder Funktionen, sondern nach in deren Sinne politisch erwünschten militärischen Vorbildern. Auch in Hanau wurden Kasernen in diesem Zusammenhang benannt. So wurde die frühere Hanauer Kaserne des Eisenbahnregiments Nr. 3 nach Georg Christian von Hessen-Homburg benannt, der im 17. Jahrhundert als Söldnerführer mit dem „Regiment Hessen-Homburg“ auf verschiedenen europäischen Kriegsschauplätzen in spanischen und französischen Diensten stand.
„Hanau ist zwar auch nicht von seiner militärischen Geschichte zu trennen – wie bereits der nach Feldmarschall Wilhelm Graf von Lamboy benannte Stadtteil zeigt. Zudem ist eine umfassende Aufarbeitung der Geschichte der Hanauer Kasernen seit November im Dokumentationszentrum Hanauer Militärgeschichte zugänglich. Bei „Hessen-Homburg“ fehlt jedoch dieser besondere Hanau-Bezug, wie etwa bei Lamboy – zugleich erscheint die Herleitung aus einer Kasernenbenennung für eine Schule nicht passend“, so Dr. Bieri. Gerade deshalb soll im Zuge der Weiterentwicklung des Standorts jetzt gemeinsam mit der Schulgemeinde ein neuer Name gefunden werden, der das pädagogische Profil widerspiegelt und Identifikation stiftet.
Laut dem Hessischen Schulgesetz kann der kommunale Schulträger auf Vorschlag oder nach Anhörung der Schulkonferenz einer Schule einen Namen geben. Die Namensgebung gehört zu den sogenannten kommunalen Selbstverwaltungsangelegenheiten. „Ein neuer Name ist mehr als ein formaler Akt. Er ist identitätsstiftend und Ausdruck des pädagogischen Profils“, sagt Schuldezernent Dr. Bieri. „Deshalb ist es uns wichtig, die Schulgemeinde aktiv einzubinden und den Prozess transparent zu gestalten.“
Die Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums werden daher zu einem Beteiligungsverfahren eingeladen. Aus den eingereichten Vorschlägen wird ein Gremium aus Schulleitung, Schülerinnen- und Schülervertretung, dem Amt für Bildung sowie dem Schuldezernenten eine Auswahl treffen. Diese wird dem Ortsbeirat Lamboy/Tümpelgarten vorgestellt, der einen Namen auswählt. Die endgültige Entscheidung trifft schließlich die Stadtverordnetenversammlung.
Neubau für rund 33 Millionen Euro
Das derzeitige Schulzentrum war zum Schuljahr 2004/2005 durch die Zusammenlegung der beiden Innenstadtschulen „Eberhardschule“ und „Schule am Schlossplatz“ in den Gebäuden der ehemaligen Hessen-Homburg-Kaserne entstanden. Seither hat sich die Haupt- und Realschule am Hessen-Homburg-Platz kontinuierlich weiterentwickelt. Mit dem nun geplanten Ausbau zur Kooperativen Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe wird diese Entwicklung fortgeschrieben und strukturell abgesichert.
In Kürze erfolgt nun der Spatenstich für den Neubau: Auf einem rund 15.900 Quadratmeter großen Grundstück zwischen den bestehenden Schulgebäuden entsteht ein viergeschossiges Gebäude mit einer Nettogrundfläche von rund 8.170 Quadratmetern. Geplant sind insgesamt 45 Klassen- und Fachräume sowie eine neue Mensa, die zugleich als Aula genutzt werden kann. Das Raumkonzept sieht unter anderem Lerncluster, barrierefreie Erschließungen sowie großzügige Aufenthaltsbereiche vor. Die Gesamtkosten der Maßnahme belaufen sich nach aktueller Planung auf rund 33 Millionen Euro für Bau, Haustechnik, Außenanlage und Innenausstattung. Die Fertigstellung ist für das zweite Quartal 2028 vorgesehen.
„Die Investition ist ein starkes Bekenntnis zur Bildungsstadt Hanau“, so Bürgermeister Dr. Maximilian Bieri abschließend. „Wir schaffen hier nicht nur zusätzliche Räume, sondern eine zukunftsfähige Schule mit klarer Perspektive: organisatorisch, pädagogisch und auch namentlich.“




