Märkischer Kreis – Die „Arbeitsgruppe Wolf“ im Märkischen Kreis hat einen neuen Namen. Weil es in Meinerzhagen und Plettenberg mehrere belastbare Sichtungen eines (Eurasischen) Luchses gegeben hat, ist das professionelle Monitoring der Unteren Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises auf beide Tiere ausgeweitet worden. Wie ist der aktuelle Stand? Dazu tauschten sich die Experten im Kreishaus Lüdenscheid aus.
Die „Arbeitsgruppe Wolf und (nun auch) Luchs“ kam zur insgesamt dritten Sitzung im Kreishaus Lüdenscheid zusammen. Ziel ist es, das Vorkommen und die Wege von Wolf und Luchs im Märkischen Kreis fachlich fundiert zu erfassen und die Interessen von Naturschutz, Landwirtschaft, Kommunen und Öffentlichkeit zusammenzuführen. Koordiniert wird die Gruppe durch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises. Teilnehmer sind darüber hinaus unter anderem Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaftskammer inklusive Herdenschutzberatung, der Städte und Gemeinden (darunter Halver und Meinerzhagen), des Naturschutzbeirates, des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, von Wald und Holz, Luchs- und Wolfsberatende, des ehrenamtlichen Wolfschutzes, der Polizei, der Unteren Jagdbehörde sowie des Kreises Olpe.
Das Monitoring von Wolf und Luchs erfolgt im Märkischen Kreis systematisch durch Fotofallen, Spurensuchen (Fährten oder Losung), genetische Untersuchungen sowie durch überprüfte Sichtungsmeldungen aus der Bevölkerung. Die Untere Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises hat aktuell 19 Fotofallen im Kreisgebiet und führt mit dem LANUK sowie ehrenamtlichen Wolfs- und Luchsberatern die fachliche Auswertung durch. Diese Arbeit ist sowohl regional als auch bundesweit sehr wichtig und anerkannt: Die erhobenen Daten fließen in das landes- und bundesweite Monitoring ein. Entwicklungen können so frühzeitig erkannt werden.
Ein bis zwei Wölfe im Märkischen Kreis
Wie ist die aktuelle Entwicklung beim Wolf? Nach derzeitigem Kenntnisstand leben ein bis zwei Wölfe im Märkischen Kreis, wobei die Zahl durchziehender Tiere naturgemäß nicht exakt bestimmt werden kann. Die letzten Fotofallen-Nachweise datieren von Oktober 2025 in Iserlohn-Letmathe (ein Wolf), von Dezember 2025 in Meinerzhagen (ein Wolf), von Januar dieses Jahres in Herscheid sowie von Anfang Februar in Meinerzhagen (ein Wolf). Der letzte offiziell bestätigte Nutztierriss datiert vom 4. November 2025 in Lüdenscheid.
Für das sogenannte Ebbe-Territorium ist bestätigt: Die dort nachgewiesene Fähe (GW 2856f) hält sich weiterhin im Ebbegebirge auf. Der zuletzt 2024 nachgewiesene Rüde wurde seit Sommer 2024 weder genetisch noch durch Fotofallen „erfasst“. LANUK und die Untere Naturschutzbehörde des Kreises gehen davon aus, dass der Rüde (GW 3278m) nicht mehr lebt. Das kann natürliche Gründe haben, wie zum Beispiel eine Krankheit. Hinweise auf eine illegale Tötung liegen nicht vor, können aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Eine Reproduktion des Ebbe-Rudels findet aktuell nicht statt.
Schutz von Weidetieren
Bei Weidetieren hat das Tierwohl noch lebender Tiere oberste Priorität – das wurde während der Sitzung des Arbeitskreises deutlich. Das bedeutet: Bei einem Weidetierriss hat die medizinische Erstversorgung verletzter Tiere Vorrang vor der genetischen Analyse. Wichtig sind eine schnelle Meldung und die Sicherung von DNA-Material innerhalb von 24 Stunden sowie eine sorgfältige Fotodokumentation. Die Landwirtschaftskammer berät Weidetierhalter umfassend zu präventiven Maßnahmen und begleitet sie von der Erstberatung bis zur Antragstellung für Fördermittel. Weitere Informationen dazu gibt es im Internet unter https://www.landwirtschaftskammer.de/
Im Rahmen der Arbeitskreis-Sitzung wurde die geänderte rechtliche Situation erläutert. Für den Wolf gilt derzeit gemäß Bundesnaturschutzgesetz ein Zugriffs-, Fang- und Tötungsverbot. Verstöße sind strafbar. Es läuft ein Gesetzgebungsverfahren zur Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht.
Junge Wölfe wandern im Alter von ein bis zwei Jahren ab, um eigene Territorien zu suchen. Dabei können sie auch Siedlungsräume durchqueren. Wichtig ist ein ruhiger Umgang mit Sichtungen. Unbeaufsichtigte Hunde könnten von Wölfen als Artgenossen wahrgenommen werden und sollten daher angeleint werden.
Die Arbeitsgruppe betonte im Kreishaus Lüdenscheid die Bedeutung der Umweltbildung. Waldjugendspiele und begleitete Spaziergänge im Wald sollten fortgeführt werden, so die Experten. Der Wald bleibe ein wichtiger Lern- und Erlebnisraum auch für Kinder und Jugendliche.
Luchs: Neue Nachweise im Kreisgebiet
Zum Luchs: Erstmals wurden im November 2025 Luchsnachweise in Meinerzhagen und im Kreis Olpe festgestellt. Weitere bestätigte Nachweise folgten im Januar dieses Jahres in Plettenberg, darunter Fotofallenbilder und Hinweise auf Wildtierrisse. Hinweise auf Luchse werden ausdrücklich erbeten (Mail: wolf@maerkischer-kreis.de ). Für Menschen besteht keine Gefahr, das Risiko für Weidetierrisse ist sehr gering.
Am Ende der Arbeitskreissitzung gab es viel Lob für das Wolfs- und Luchsmonitoring des Märkischen Kreises. Tenor: Ohne die Initiative des Kreises und den Einsatz eigener Fotofallen wären viele Nachweise gar nicht möglich.




