Gesänge der Ainu im Kulturbahnhof Hamm

Die Februar-Reise am 17. Februar 2026, 18:00 Uhr, im Kulturbahnhof führt den Klangkosmos nach Asien, genauer gesagt, auf eine Insel vor der Ostküste im Nordpazifik.

Hamm – Die Ainu gelten als die indigenen Bewohner Nordjapans, die überwiegend auf Hokkaido, aber auch auf Sachalin und den Kurilen beheimatet waren. Ihre Lebensführung ist eng mit der Natur verknüpft, die Musik ist in ihrer Kultur von entscheidender Bedeutung. Tatsächlich ist sie so tief in der Lebensweise verwurzelt, dass allgemeine Beschreibungen von Klängen das „Musikalische“ und „Nicht-Musikalische“ einschließen. So umfasst z. B. der Begriff „haw“ (Stimme) neben dem Klang von Instrumenten auch Lautäußerungen von Menschen und Tieren und „hum“ (Klang oder Gefühl) kann sich sowohl auf den perkussiven Klang von Trommeln als auch das Tosen eines reißenden Flusses beziehen. Für die Ainu ist Musik so natürlich wie das Atmen. Es gibt Lieder für die Arbeit, zum Spielen, zum Erzählen von Geschichten und zum Schlichten von Streitigkeiten.

Kapiw (= „Möwe“) und Apappo (= „Blume“) sind die Ainu-Künstlernamen zweier Schwestern. Die beiden lernten die Lieder ihres Volkes von ihrer Großmutter. Sie singen Upopu, kurz und einfach strukturierte Alltagslieder, die sich um jeweils eine Aktivität drehen, ein Spiel oder eine Arbeit. Arbeitslieder sind rhythmisch, mit Texten und Melodien, die auf der Arbeit basieren, mit der sie gesungen werden. Doch selbst solche Lieder haben zumeist mehr spirituelle, denn weltliche Bedeutungen. Die Lieder, die die beiden singen, sind oft meditativ, werden jedoch auch von der Harfenlaute Tonkori und der Bambus-Maultrommel Mukkuri begleitet.

Seit 2012 treten Kapiw und Apappo regelmäßig auf und waren mittlerweile auf Festivals in ganz Japan zu Gast. Beide Sängerinnen sind Expertinnen für zeitgenössische Ainu-Musik im traditionellen Stil, jedoch keine Aktivistinnen. Die Schönheit ihrer Stimmen und der Klang ihrer Instrumente spiegeln die Seele ihrer Vorfahren. 2016 wurde ein Dokumentarfilm über die beiden Schwestern und ihre musikalische Arbeit gedreht, der tiefe Einblicke in diese wenig bekannte Kultur und Musik ermöglicht. Ebenfalls 2016 erschien ihr Album mit traditionellen Ainu Liedern. Mit dem Klangkosmos kommen sie nun erstmalig nach Europa.

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