Neue Filmreihe in der Düsseldorfer Black Box

Mit einem Einführungsvortrag des Autors und Filmwissenschaftlers Michael Girke eröffnet die Black Box im Filmmuseum Düsseldorf am Mittwoch, 28. Januar 2026, um 20 Uhr die Filmreihe "Konrad Wolf: Wege zum Widerstand".

Düsseldorf – Konrad Wolf (1925-1982) zählt zu den wichtigsten Regisseuren der DEFA (Deutsche Film AG). Seine Biografie – geprägt vom sowjetischen Exil, vom Dienst in der Roten Armee und von der Erfahrung des Zweiten Weltkriegs – ist eng mit den zentralen Themen seines filmischen Werks verbunden: Schuld, Erinnerung und moralische Verantwortung.

Girke wird in seinem Vortrag Konrad Wolfs Werk historisch einordnen und dessen besondere Form eines antifaschistischen Kinos vorstellen – eines Kinos, das Widerstand nicht als heroische Geste, sondern als fragile, oft widersprüchliche Haltung begreift.

Im Zentrum der Filmreihe stehen drei Schlüsselwerke aus unterschiedlichen Schaffensphasen:

LISSY (DDR 1957), im Anschluss an den Eröffnungsvortrag gezeigt, erzählt von einer jungen Berliner Angestellten, die in den frühen 1930er-Jahren schleichend in Anpassung und Mitverantwortung gerät. Wolf zeichnet ein präzises Bild gesellschaftlicher Verführbarkeit und macht deutlich, wie politische Radikalisierung aus Angst, Unsicherheit und dem Wunsch nach Zugehörigkeit entstehen kann.

Mit STERNE (DDR/Bulgarien 1959) richtet Wolf den Blick auf den Einzelnen im System der Gewalt. Die Begegnung eines deutschen Unteroffiziers mit einer jüdischen Gefangenen in einem bulgarischen Durchgangslager wird zur leisen Tragödie eines zu spät erwachenden Gewissens. Der in Cannes ausgezeichnete Film fragt nach der Bedeutung von Empathie angesichts eines allgegenwärtigen Vernichtungsapparats.

In MAMA, ICH LEBE (DDR 1976) schließlich erzählt Wolf von vier jungen deutschen Soldaten in sowjetischer Kriegsgefangenschaft, die ihre ideologische Prägung und persönliche Verantwortung neu überdenken müssen. Widerstand erscheint hier als innerer Prozess – als langsame Bewegung des Denkens und der Selbstprüfung.

Michael Girkes Einführung eröffnet die Reihe als analytischer und historischer Rahmen. Sie macht sichtbar, wie Wolfs Filme Erinnerung lebendig halten und zugleich Fragen an die Gegenwart richten. In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung und eines spürbaren Rechtsrucks gewinnen Wolfs Überlegungen zu Verantwortung, Empathie und Widerständigkeit neue Aktualität.

Der Eintritt bei allen drei Filmen beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro und mit „Black-Box-Pass“ 4 Euro. Ein Vorverkauf wird an der Kinokasse des Filmmuseums, Telefon 0211-8992232, angeboten.

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