Stadt Düsseldorf startet Projekt „Pooling“

Kinder und Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf sollen mit dem neuen Projekt "Pooling" bestmöglich im Schulalltag gefördert werden.

Düsseldorf – Pooling beschreibt den Ansatz, mehrere Schülerinnen und Schüler durch ein ganzes Team von Schulbegleitungen zu unterstützen – also einen Pool, aus dem flexibel Ressourcen bereitgestellt werden können.

Die Idee geht auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre zurück: Das bisherige System der individuellen Eins-zu-eins-Betreuung stieß sowohl organisatorisch als auch pädagogisch zunehmend an Grenzen. In vielen Klassen wurde es dadurch sehr voll, zudem konnten Kinder teilweise nicht am Unterricht teilnehmen, wenn ihre Begleitung kurzfristig ausfiel und kein Ersatz verfügbar war. Mit dem neuen Modell sollen Kinder verlässlich und zugleich flexibler unterstützt werden. Das Projekt wurde im vergangenen Jahr neu aufgelegt und startet mit dem Schuljahr 2025/26 in die Umsetzungsphase.

Neue Strukturen für mehr Teilhabe und Inklusion

Pooling eröffnet Schulen neue Möglichkeiten: Ein Team von Schulbegleitungen kann gleichzeitig mehrere Kinder einer Schule unterstützen. So werden Ressourcen effizient genutzt und personelle Kapazitäten optimal verteilt. Durch diese flexible Struktur kann individueller auf wechselnde Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler reagiert werden. Die Unterstützung kann bedarfsgerecht im Unterricht, in Pausen oder bei besonderen schulischen Aktivitäten erfolgen.

Auch für die Schulbegleitungen selbst bietet das Modell Vorteile. Sie arbeiten enger zusammen, tauschen Erfahrungen aus, unterstützen sich gegenseitig und sind stärker ins Schulleben eingebunden. Für die Schulen bedeutet das mehr Handlungsspielräume, für die Eltern Verlässlichkeit.

Sarah Gusovius, Abteilungsleiterin für Teilhabe und Inklusion im Amt für Soziales und Jugend, erklärt: „Wir möchten erreichen, dass Schülerinnen und Schüler mit Unterstützungsbedarf nicht nur eine zuverlässige Hilfe an ihrer Seite haben, sondern auch von einem Team profitieren, das auf wechselnde Situationen reagieren kann. So schaffen wir mehr Chancengleichheit und erleichtern zugleich die Arbeit an den Schulen.“

Ziele sind eine schnellere und unkompliziertere Bereitstellung der Hilfe nach Bewilligung, eine bessere Einbindung und Koordination der Schulbegleitung im Schulalltag sowie vereinfachte Abläufe vor Ort. Zudem soll die Leistungserbringung auch bei Krankheit, Urlaub oder Personalwechsel gesichert werden.

Zwei Modelle im Test

Um die Wirksamkeit zu prüfen, wird Pooling in zwei Modellen erprobt. Beim Pooling im Leistungsdreieck werden die Leistungen weiterhin individuell nach den Bedarfen der Kinder auf Antrag bewilligt. Neu ist, dass der jeweilige Träger die Schulbegleitungen flexibel für mehrere Kinder derselben Schule einsetzen kann. Schulen, die das Pooling im Infrastrukturmodell testen, erhalten ein festes Budget für das gesamte Schuljahr. Damit können sie eine bestimmte Anzahl an Schulbegleitungen einsetzen und auf die Kinder verteilen. Für die Eltern entfällt der individuelle Antrag. Die Träger planen die Einsätze anhand des Budgets und der Bedarfe der Schule. Beide Modelle sollen zeigen, wie sich Flexibilität und Teamarbeit mit den rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen bestmöglich verbinden lassen.

Das Projekt startet zunächst an sieben Grundschulen und einer Förderschule: Das Infrastrukturmodell umfasst die Grundschule Sonnenstraße, die Theodor-Heuss-Grundschule, die Grundschule St. Appolinaris, die Grundschule Gumbertstraße sowie die Theodor-Andresen-Förderschule. Zum Leistungsdreieck gehören die Grundschule Flurstraße, die Grundschule Richardstraße und die Wicherngrundschule.

Ein Schritt zu mehr Inklusion

Das Familiengrundschulzentrum an der Sonnenstraße in Oberbilk ist eine von vier Pilot-Grundschulen, die das infrastrukturelle Pooling erproben. Die Schule setzt damit ein wichtiges Signal für die Weiterentwicklung inklusiver Bildung. Ziel ist es, Kindern mehr Teilhabe am Schulleben zu ermöglichen und zugleich ein nachhaltiges System zu etablieren, das Fachkräfte langfristig bindet.

Schulleiter und Projektpartner Kornelius Knettel betont: „Das Poolingmodell erleichtert uns die Organisation und gibt uns mehr Möglichkeiten, auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Für die Lehrkräfte bedeutet das mehr Planungssicherheit und für die Kinder mehr Teilhabe und Inklusion. Wir sind überzeugt, dass dieses Modell nicht nur den Kindern an unserer Schule zugutekommt, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen Schule, Eltern und Kinder- und Jugendhilfe stärkt.“

Ausblick

In beiden Modellvarianten werden die Erfahrungen über vier Schuljahre evaluiert. Danach wird geprüft, wie die Ergebnisse auf das gesamte Schulsystem übertragen werden können, um die nächsten Schritte zu mehr Inklusion sicherzustellen. Langfristig soll das Modell auf alle Schulen ausgeweitet werden – entsprechende Planungen laufen bereits.

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